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Rutschen will gelernt sein

Dienstag, 01. Dezember 2009

Es wissen die wenigsten – die Leipziger Sitzvolleyballer des Behindertensportvereins (BV) Leipzig sind in diesem Jahr Deutscher Meister geworden. Aber was genau ist Sitzvolleyball eigentlich? Sportredakteurin Viktoria Ludwig hat einen Sitzvolleyball-Nationalspieler getroffen.

Sitzvolleyballer des BV Leipzig beim Training (Foto: V. Ludwig)

Sitzvolleyball wird wie der Name schon sagt im sitzen gespielt von Menschen mit Behinderung. Es wird gelacht, die Stimmung ist gut im Training der Leipziger Sitzvolleyballer vergangene Woche. Bemerkenswert, wie schnell sich die Spieler im sitzen fortbewegen können. Die Mannschaft trainiert für den Leipziger Sitzvolleyballcup, der am Wochenende in der Arena am Sportforum ausgetragen wurde.

Nationalspieler Benjamin Oesch

Benjamin Oesch ist einer von ihnen. Er spielt Sitzvolleyball beim Behindertensportverein Leipzig und ist einer von insgesamt zehn Nationalspielern, darunter auch drei Frauen. Niemandem würde auffallen dass Benjamin Oesch behindert ist, bis er auf dem Spielfeld steht. Denn dort schnallt er seine Prothese ab und hüpft auf einem Bein die letzten Meter zu seiner Position. Ein ungewohntes Bild.

Diagnose: Knochenkrebs

Foto: Viktoria Ludwig(Foto: V. Ludwig)

Benjamin Oesch war 14 Jahre alt, als bei ihm Knochenkrebs diagnostiziert wurde. Damals spielte er Basketball und hatte einen Zusammenstoß mit einem Spielerkollegen. Nach der Chemotherapie wurde der junge Sportler schließlich am Knie operiert. Er bekam eine Umkehrplastik, eine operative Methode, die häufig vorgenommen wird und wobei der Unterschenkel erhalten bleibt. Nur der Kniebereich wird herausgetrennt. Der Unterschenkel wird schließlich um 180 ° gedreht, das frühere Sprunggelenk fungiert nun als Kniegelenk.

Sitzvolleyball – Was ist das?

- gleiche Regeln wie beim Standvolleyball bis auf drei Ausnahmen:
1. wird im sitzen gespielt

2.
Rumpf muss im Moment des Angriffs, des Blocks, dem Zuspiel und der Annahmen den Boden berühren

3.
Angabe darf geblockt werden bzw. gleich ein Angriff erfolgen

- gespielt von Menschen mit Behinderung
- Netzhöhe:  Frauen 1,05m
                   Männer 1,15m
- kleineres Spielfeld (10m x 6m)

Integration durch Sport

"Viele Sportler isolieren sich nach so einem Schicksalsschlag" sagt Tilo Garlin, Übungsleiter der Sitzvolleyballer beim BV. "Uns ist es wichtig diese Menschen wieder ins Leben zu integrieren. Die meisten kommen nicht von alleine zum Behindertensportverein." Seit 1990 gibt es diesen Verein bereits und er ist stetig gewachsen. Neben dem Sitzvolleyball bietet der Verein unter anderem auch Behindertenschwimmen an.

"Inzwischen gehört er zu den besten Spielern in unserer Mannschaft"

Bei Benjamin Oesch war das alles ganz anders. Er hat sich nicht zurückgezogen, sondern eine neue sportliche Herausforderung gesucht. "Inzwischen gehört er zu den besten Spielern in unserer Mannschaft" verrät Tilo Garlin stolz. Eingeschränkt fühlt sich der 25-jährige nur selten. Ganz im Gegenteil, er kommt mit seiner Behinderung sehr gut zurecht. Sie hat sein Leben sogar positiv verändert.

„Es ist ja auch so, dass die Erkrankung viele Chancen eröffnet hat. Zum Beispiel der Umgang mit Menschen, die Schicksalsschläge zu verkraften haben und vor allem mein Beruf der mir extrem viel Spaß macht. Auf den bin ich ja auch erst gestoßen durch meine Behinderung.“ Benjamin Oesch machte nämlich eine Ausbildung als Orthopädietechniker. Bald will er darin auch seinen Meister machen.

Nach dem Spiel schnallt Benjamin Oesch seine Prothese wieder an und weiter geht es für ihn auf zwei Beinen…  (Viktoria Ludwig)

Hören Sie hier den Beitrag von Viktoria Ludwig:

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