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Längeres Bachelor-Studium?
Kritik am Bologna-Prozess und den in seinem Rahmen eingeführten Bachelor- und Masterstudiengängen kommt von allen Seiten. Doch das ist eine ungewohnte Richtung: Die sächsische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst selbst, Eva-Maria Stange, kritisiert viele Bachelorstudiengänge. Sie versuchten, in sechs Semester den Stoff zu quetschen, der vorher in acht bis zehn Semestern unterrichtet wurde.

Bologna-Prozess
Im italienischen Bologna beschlossen die europäischen Bildungsminister 1999, bis zum Jahr 2010 ein "einheitliches europäisches Hochschulwesen" zu schaffen. Hauptsächlich soll die Mobilität gefördert werden, die internationale Wettbewerbs-fähigkeit und die Beschäftigungsfähigkeit.
Deutlichster Ausdruck der Änderungen ist in Deutschland die Umstellung auf die Studienabschlüsse Bachelor und den darauf aufbauenden Master statt des Diplom- oder Magistertitels.
Praxis, Auslandserfahrung fehlt
Unter diesen Umständen komme die Möglichkeit zu kurz, während der Bachelor-Phase für ein Semester ins Ausland zu gehen. Auch Praxissemester, bisher ein Pluspunkt vieler deutscher Fachhochschulen, seien jetzt nur noch an wenigen Hochschulen möglich.
Trotzdem warnt Ministerin Stange davor, die neuen Studiengänge grundsätzlich abzuschreiben. "Nicht jede Kritik ist tatsächlich berechtigt." Sie wünscht sich die Gelassenheit, einen Prozess wie die Bologna-Reform erst einmal anzustoßen und dann in Ruhe zu evaluieren. Vor der nächsten Akkreditierung sieht sie die Möglichkeit, Studien- und Prüfungsordnungen noch einmal kritisch zu überprüfen. An den Hochschulen finde bereits ein "Nachdenken und Nachjustieren" statt.
Problem: Systemdopplung
Wolfgang Fach, Prorektor für Lehre und Studium der Universität Leipzig, hat die Möglichkeit einer Verlängerung der Bachelorstudiengänge bereits erwogen. Grundsätzlich sei er dafür, die Frage sei jedoch, "was soll in diesem Zusatzsemester passieren?"
Eine erneute Änderung der Studienordnungen würde nach Fachs Aussage außerdem zu Dopplungen der Studiengänge führen. Denn: "Alle, die jetzt schon angefangen haben, haben das Recht, innerhalb der bisherigen drei Jahre fertig zu werden." Einen solchen Eingriff werde die Universität Leipzig nicht aufgrund eines bloßen Vorschlags angehen – und keineswegs im Alleingang.
Kommentar
mephisto97.6-Reporter Lukas Fuhrmann hat sich mit dem Thema beschäftigt und sich eine eigene Meinung gebildet: Im Moment ist es nicht nur der Zeitmangel, der Bachelorstudenten vor einem Auslandssemester zurückschrecken lässt. Viel entscheidener ist die Unsicherheit, ob Noten aus dem Ausland überhaupt anerkannt werden und die Wahrnehmung, dass das Studium schon in Deutschland kompliziert genug ist. (ee)
Hören Sie hier den Kommentar von Lukas Fuhrmann, gesprochen von Thomas Otto. Außerdem: die Interviews mit Ministerin Eva-Maria Stange und Prorektor Wolfgang Fach




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