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Karl-Marx-Relief

Freitag, 17. Oktober 2008

Vor zwei Jahren musste auch das Karl-Marx-Relief des ehemaligen Uni-Hauptgebäudes dem Neubau weichen. Bisher steht das Relief auf dem Sportcampus an der Jahnallee. Heute, 17. Oktober wurde mit der Installation einer Schautafel der Wiederaufbau abgeschlossen. Doch auch dieser ist umstritten.

Vorgeschichte: Wohin mit Charly?

Wenn in den letzten Monaten und Jahren ein Gespenst in Leipzig um ging, dann war es ein Gespenst in Form eines Marx-Reliefs. Von der SED in Auftrag gegeben und über dem Haupteingang des damals neu errichteten Universitätsgebäudes angebracht, wurde es 2006 abmontiert und eingelagert. Und dann wurde diskutiert: Die Universität wollte es wieder aufstellen - natürlich historisch eingeordnet. Die Stadt auch, aber nicht an politisch brisanter Stelle. Die Gegner wollten es am liebsten zerstören und die Reste an der gleichen Stelle vergraben, wo auch die Trümmer der 1968 gesprengten Universitätskirche St. Pauli liegen.

Diskussion um neuen Standort offiziell abgeschlossen

Aufgestellt wurde es nun - am Campus Jahnallee, etwas versteckt hinter der Mensa des Sportforums. Historisch eingeordnet soll es durch eine aus Edelstahl gefertigte Schautafel werden. Rektor der Universität Leipzig, Franz Häuser, zeigt sich zufrieden mit dem Abschluss der Diskussion und dem neuen Standort. Die neue Heimat des Marx-Reliefs am Campus Jahnallee war einer von vielen umstrittenen Vorschlägen. So wünschte sich der StudentInnenrat der Universität Leipzig einen Platz in der Innenstadt, zum Beispiel an der Moritz-Bastei. Auch ein Platz am stadtgeschichtlichen Museum wurde diskutiert. Doch ein Aufstellungsort in der Innenstadt schien dem Rathaus zu brisant. Professor Zöllner vom Institut für Kunstgeschichte an der Universität Leipzig findet den neuen Standort auch ungenüge

Noch Fragen zur geschichtlichen und kunsthistorischen Einordnung

Eine der wichtigsten Forderungen für die Wiederaufstellung des Reliefs war eine geschichtliche Einordnung am neuen Standort. Das soll durch eine zwei Meter lange Schautafel aus Edelstahl geschehen. Installiert ist diese auf einem quaderförmigen Betonblock vor dem Relief. Auf der Tafel wird in kurzen Texten und Bildern die Geschichte des ehemaligen Standortes am Augustusplatz erzählt. Angefangen bei der Universitätskirche St. Pauli, über deren Sprengung und dem DDR Uni-Neubau mit Relief, hin zum Entwurf des heutigen Paulinums. Ilka Hausmann vom StudentInnenrat kritisiert, das damit keine kunsthistorische Einordnung stattfände. Außerdem, so Hausmann, wird durch die räumliche Distanz zum Originalplatz, keine Verantwortung für und auch kein Abstand zur DDR-Geschichte der Universität deutlich, wie es der Informationstext auf der Schautafel beschreibt.

Deutlich wird, dass die Diskussionen um das Marx-Relief in Leipzig noch kein Ende genommen haben. Auch wenn Rektor Häuser dieses Kapitel für abgeschlossen erklärt, so wird mit der Kritik an der kunsthistorischen Einordnung wohl ein weiteres eröffnet werden. (mz)

Hören Sie hier den Beitrag von Jochen Dreier

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