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Die Zukunft liegt im Stillstand

Mittwoch, 13. Mai 2009

Die Universität Leipzig feiert 600. Jubiläum - und sich selbst. Auf dem internationalen Symposium "Wissen und Geist: Universitätskulturen" sollte anhand eines Thesenpapiers das Bild einer künftigen Universität gezeichnet werden. Doch die Referierenden besannen sich lieber auf alte Werte und wehmütiges Innehalten. Ein Kommentar von Dominik Steiner.

Sie ist die Quelle bahnbrechender Erkenntnisse. Sie soll ihren Studenten das methodische Betrachten und Erforschen beibringen. Doch bei der Analyse ihrer selbst gibt die Universität kein gutes Vorbild ab.
Im Rahmen ihres Jubiläums hat die Universität Leipzig Wissenschaftler und Institutsleiter aus ganz Europa zu einem Symposium über die „heutigen Aufgaben“ und „künftigen Funktionen“ eingeladen. Drei Tage lang dauerte die Veranstaltung unter dem Titel „Leipziger Diskurs“.
In dieser Namensgebung der Veranstaltung zeigt sich die Absicht, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, ohne konkrete Forderungen zu stellen.
Denn, so ließ Mitorganisator Ulrich Johannes Schneider verlauten, bei konkreten Forderungen stelle sich halt das Problem, dass es keine Instanz gebe, an die man sich wenden könne.

Doch diese Vorgehensweise muss aus zwei Gründen scheitern. Erstens sind die eigenen Ansprüche an die Durchschlagskraft des „Leipziger Diskurse“ ziemlich tief gehalten. Man sei schon zufrieden, dass die teils namhaften Gäste den Weg nach Leipzig auf sich genommen hätten, hieß es seitens der Veranstalter. Klingt eher nach „zu Gast bei Freunden“ als nach ehrgeizigem Schaffen.
Der Ansatz scheitert außerdem zweitens an der eigenen Anspruchslosigkeit der Organisatoren. Gerade mal rund zwei Dutzend Leute hatten sich in den Naschmarkt verloren. So wird der Diskurs nicht in die Öffentlichkeit einfließen.

Das den Diskurs tragende Publikum fehlt offenbar genauso wie die Instanz, an die man Forderungen richten kann. Nur an Häppchen und Weisswein und ein „Lebe hoch“ des Humboldtschen Bildungsideal hat es den elitären Persönlichkeiten wieder nicht gefehlt. (stein)

 

Hören Sie hier den Beitrag von Dominik Steiner zum Symposium

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