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Blechbüchse wird geknackt
Heute begann symbolisch die Entkleidung der sogenannten Blechbüchse am Richard-Wagner-Platz. Bis 2011 soll hier ein fünfstöckiges Kaufhaus entstehen. Die architektonische Lösung ist unter den Leipzigern allerdings stark umstritten.
Demontage der Blechbüchse
Bis zu 130 Geschäfte, 27.500 Quadratmeter Verkaufsfläche, 820 Parkplätze, Wohnungen, eine Kita, Kultur- und Sporteinrichtungen und, und, und... Die Investoren des Bauprojektes "Höfe am Brühl" haben Großes vor. Bis zum Herbst 2011 soll am Richard-Wagner-Platz ein neues Kaufhaus entstehen, als nordwestlicher Eingang zur Innenstadt. Dafür legt das Essener Bauunternehmen MFI (Management für Immobilien AG) zusammen mit der Eurohypo (eine Tochtergesellschaft der Commerzbank) insgesamt rund 200 Millionen Euro auf den Tisch. Nur so ganz "neu" wird das Ganze nicht. Schließlich erhob die Stadt 2008 Einspruch gegen das eigentliche Bauvorhaben. Das Immobilienbüro MFI hatte geplant das alte Kaufhaus, die sogenannte Blechbüchse, und die umliegenden ehemaligen Wohnblöcke vollständig abzureißen. Allerdings steht der Aluminiummantel des Gebäudes, der volkstümliche Namensgeber, unter Denkmalsschutz. Der resultierende Kompromiss sieht nun so aus: Der Kern des alten Kaufhauses, hinter der Fassade, wird abgerissen. Die charakteristische Aluminiumfassade soll erhalten bleiben. Mit der Demontage des Blechmantels wird in zwei Wochen begonnen. Die Einzelteile werden in Berlin gelagert und bei Bedarf restauriert bzw. rekonstruiert.
Die Historie der Blechbüchse
3. Oktober 1908 Eröffnung des Kaufhaus am Brühl
1927 in Leipzig erstmalige Installation einer Rolltreppe in einem Warenhaus
1936 Entlassung leitender Angestellter im Zuge der Arisierung des NS-Regimes
1943 Schließung aufgrund starker Schäden nach Luftangriffen
1946 Enteignung der geschäftsführenden Firma, Besitz geht an das Land Sachsen
1966 Wiederaufbau, Anbringung einer festerlosen Aluminiumfassade nach dem Entwurf vom Künstler Harry Müller
1968 Eröffnung des Konsument am Brühl
1990-2001 Eigentum der Horten AG
bis Okt. 2006 Interim der Karstadt Warenhaus AG
2010 Grundsteinlegung der "Höfe am Brühl"
Umstrittene Lösung
An dieser Lösung erhitzen sich nun die Gemüter. Dabei zeichnen sich zwei Lager ab: Anhänger der Blechbüchse befürworten den Erhalt der Fassade als "identitätsstifend" und architekturhistorisch wertvoll. Gegner stören sich an der Ästhetik des Bauwerks und sähen lieber den Erhalt der Gründerzeitfassade. Damit könnte sich die Blechbüchse in der stadtgeschichtlichen Diskussion zum "Leipziger Palast der Republik" mausern. Soll man dieses Stück DDR-Geschichte erhalten, der Ort an dem sich der DDR-Bürger Produkte besorgen konnte, die es sonst nirgendwo gab oder ist es Zeit für eine neue Generation mit eigenen Symbolen, einem modernen Kaufhauskomplex? Sicher ist jedenfalls, dass damit ein neues Kapitel der Geschichte des 1908 erstmals eröffneten Kaufhauses am Brühl aufgeschlagen wird, auf dessen Boden einst das Geburtshaus Richard Wagners stand oder auch das Gasthaus "Zu den Drei Schwanen", wo sich 1743 das Große Concert, die Keimzelle des Gewandhausorchesters gründete. Wie auch immer es 2011 aussehen mag, nord-westlich der Innenstadt wird man auch weiterhin Leipziger Geschichte ablesen können. (Jonas Böhm)
Den Beitrag von Salome Müller mit weiteren Informationen hören Sie hier:




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