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Blechbüchse wird geknackt

Montag, 08. Februar 2010

Heute begann symbolisch die Entkleidung der sogenannten Blechbüchse am Richard-Wagner-Platz. Bis 2011 soll hier ein fünfstöckiges Kaufhaus entstehen. Die architektonische Lösung ist unter den Leipzigern allerdings stark umstritten.

Die Leipziger Blechbüchse am Brühl (Foto: S. Müller)
v.l.n.r.: Thorsten Müller, Björn Reineking, Martin zu Nedden (Foto: S. Müller)
Abrissbeginn (Foto: S. Müller)
Demontage der Blechbüchse

Bis zu 130 Geschäfte, 27.500 Quadratmeter Verkaufsfläche, 820 Parkplätze, Wohnungen, eine Kita, Kultur- und Sporteinrichtungen und, und, und... Die Investoren des Bauprojektes "Höfe am Brühl" haben Großes vor. Bis zum Herbst 2011 soll am Richard-Wagner-Platz ein neues Kaufhaus entstehen, als nordwestlicher Eingang zur Innenstadt. Dafür legt das Essener Bauunternehmen MFI (Management für Immobilien AG) zusammen mit der Eurohypo (eine Tochtergesellschaft der Commerzbank) insgesamt rund 200 Millionen Euro auf den Tisch. Nur so ganz "neu" wird das Ganze nicht. Schließlich erhob die Stadt 2008 Einspruch gegen das eigentliche Bauvorhaben. Das Immobilienbüro MFI hatte geplant das alte Kaufhaus, die sogenannte Blechbüchse, und die umliegenden ehemaligen Wohnblöcke vollständig abzureißen. Allerdings steht der Aluminiummantel des Gebäudes, der volkstümliche Namensgeber, unter Denkmalsschutz. Der resultierende Kompromiss sieht nun so aus: Der Kern des alten Kaufhauses, hinter der Fassade, wird abgerissen. Die charakteristische Aluminiumfassade soll erhalten bleiben. Mit der Demontage des Blechmantels wird in zwei Wochen begonnen. Die Einzelteile werden in Berlin gelagert und bei Bedarf restauriert bzw. rekonstruiert. 

Umstrittene Lösung

An dieser Lösung erhitzen sich nun die Gemüter. Dabei zeichnen sich zwei Lager ab: Anhänger der Blechbüchse befürworten den Erhalt der Fassade als "identitätsstifend" und architekturhistorisch wertvoll. Gegner stören sich an der Ästhetik des Bauwerks und sähen lieber den Erhalt der Gründerzeitfassade. Damit könnte sich die Blechbüchse in der stadtgeschichtlichen Diskussion zum "Leipziger Palast der Republik" mausern. Soll man dieses Stück DDR-Geschichte erhalten, der Ort an dem sich der DDR-Bürger Produkte besorgen konnte, die es sonst nirgendwo gab oder ist es Zeit für eine neue Generation mit eigenen Symbolen, einem modernen Kaufhauskomplex? Sicher ist jedenfalls, dass damit ein neues Kapitel der Geschichte des 1908 erstmals eröffneten Kaufhauses am Brühl aufgeschlagen wird, auf dessen Boden einst das Geburtshaus Richard Wagners stand oder auch das Gasthaus "Zu den Drei Schwanen", wo sich 1743 das Große Concert, die Keimzelle des Gewandhausorchesters gründete. Wie auch immer es 2011 aussehen mag, nord-westlich der Innenstadt wird man auch weiterhin Leipziger Geschichte ablesen können. (Jonas Böhm)


Den Beitrag von Salome Müller mit weiteren Informationen hören Sie hier:

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