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Bachelor, Master, alles ein Desaster? - Leipziger Studenten protestieren

Mittwoch, 15. April 2009, 13:23 Uhr

Seit heute Morgen protestieren rund 300 Studenten gegen die Studienbedingungen der Leipziger Universität. Im Fokus der Kritik steht der Aufbau der Bachelor- und Masterstudiengänge. Ulf Walther sprach mit Dr. Wolfgang Fach, Prorektor Forschung und Lehre der Uni Leipzig, und Sven Deichfuß, Sprecher des Studentenrats, über die Ausbildung und Zustände an der Uni und die Forderungen der Studenten.

Bilder: Mia Kaduk

Das besetzte GWZ (Fotos: M. Kaduk)

Semester beginnt mit einem Protest

Das Sommersemester beginnt an der Universität Leipzig mit einem Protest. Während die meisten Studenten zwischen den Vorlesungen und Seminaren die Frühlingssonne auf den Wiesen rund um das Geisteswissenschaftliche Zentrum genießen, besetzen rund 300 Protestierende selbiges. Viele Seminare und Übungen finden nicht statt, dafür Protestaufrufe und Kundgebungen. Auf der Bühne sprechen sich die Studenten besonders gegen eins aus: den Aufbau, die Struktur und Organisation der Bachelor- und Masterstudiengänge, rundum, den nicht hinnehmbaren Studienzustand.

Kritik an der Umsetzung der Bologna-Reform

Eingeführt wurden Bachelor und Master im Zuge der Bologna-Reform. Magister- und Diplomstudiengänge wurden ersetzt, um die Mobilität, internationale Wettbewerbs- und Beschäftigungsfähigkeit zu erhöhen. Von einer Verschulung der Universitäten wird jedoch nicht nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen. Auch die Forderungen nach besserer Wettbewerbsfähigkeit wird von vielen als Ausverkauf der Studenten verstanden. "Einige fühlen sich wie Rohlinge für die Wirtschaft", sagt Sven Deichfuß, Sprecher des Studentenrats. Ein Student, der die Gelegenheit der freien Meinungsäußerung auf dem GWZ-Podium ergreift, meint gar, dass "der Berufsausbildungsfetischismus die Abschaffung der Geistes- und Sozialwissenschaften bedeutet."

Studenten empört über Strukturen

Grund der Empörung sind die Strukturen der Bachelorstudiengänge. Diese sind in Kernfachmodule und Wahlbereiche gegliedert. Für die Wahlbereiche muss man sich Anfang jedes Semesters neu bewerben. Die Studenten können sich für die verschiedensten Wahlbereiche entscheiden und zum Beispiel das Kulturwissenschaftsstudium um Einblicke in Politikwissenschaft, Anglistik oder Philosophie etc. erweitern. Die Idee dahinter sein eine breite Ausbildung, die die Chancen am Arbeitsmarkt fördert, meint Prof. Dr. Wolfgang Fach, Prorektor für Forschung und Lehre an der Universität Leipzig. "Wir haben ein schönes Modell, das auch nicht schlecht funktioniert, jedoch nicht die Ansprüche befriedigt".

n der Wahlbereiche

Die Ansprüche der Studenten befriedigt es nämlich deshalb nicht, weil man nicht immer den Wahlbereich bekommt, mit dem die Studierenden gern ihr Studium und den eigenen Horizont erweitern möchte. Härtefälle, die keinen Wahlbereich erhalten haben, sind die Regel. Um überhaupt ordentlich weiter studieren zu können oder in der Regelstudienzeit zu bleiben, müssen sie nicht selten Seminare, Vorlesungen und Übungen in ungeliebten Studienrichtungen wie Hindi oder Sorbisch besuchen. "Die Uni Leipzig hat eine sehr experimentelle Form der Studienreform angegangen mit dem Wahlbereich. Er funktioniert nicht, strukturell nicht, organisatorisch nur schwerlich. Es gibt wenige, die zufrieden sind", sagt Sven Deichfuß.

Ziel der Protesttage

Ihre Unzufriedenheit können Studierende, ebenso wie die Lehrenden, nun auf den Protesttagen öffentlich kundtun. Zusammen wollen sie ein Forderungspapier ausarbeiten, dass wohl ähnliche Inhalte haben wird, wie die am 5. November 2008 vom Studentenrat verabschiedete Resolution. "Es stehen noch keine Forderungspapiere, keine Resolution. Es soll ein Forum geben für Kommunikation. Ziel ist es die Leute zusammen zu bringen, zur Diskussion zu bringen - wo positionieren wir uns in der Gesellschaft, was ist Universität, was ist Gesellschaft. Es müssen Positionen gefunden werden, die sich in Forderungen formieren", sagt Dreifuß zu den Zielen des Protestes.

Leipziger Problem deutschlandweit feststellbar

Die Umsetzung der Bologna-Reform und die Schwierigkeiten in den neuen Studiengängen ist jedoch nicht nur ein Leipziger, sondern ein deutschlandweites Problem. "Wir haben keine Leipziger Sondersituation. Keine Uni hatte die Wahl zwischen schnell und langsam. Niemand hat Modellstudiengänge eingerichtet, Versuchphasen eingeführt", meint Fach. Deichfuß drückt es drastischer aus. "Es geht um eine systematische Einengung des Studiums und des Begriffs Bildung an sich." (ct)

 

Hören Sie hier einen Beitrag von Ulf Walther, sowie einen Pro- und Kontrakommentar von Thomas Otto und Ulf Walther zu den Protesttagen. AUßERDEM die Wortmeldung eines Studenten auf der Protestbühne.

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