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Aufruhr in Lindenau - NPD bezieht Quartier
In der Odermannstraße 8 in Lindenau hat die NPD vergangene Woche ein Quartier bezogen. Der neue Leipzig-Stützpunkt der rechtsextremen Partei stößt bei Anwohnern, Kulturschaffenden und Politikern jedoch auf Empörung. Protestaktionen sind schon geplant.

"Die Verlagerung des Domizils von Winfried Petzold von Mutzschen bei Grimma nach Leipzig muss als weiterer Schritt gewertet werden, in Leipzig Fuss zu fassen."
"Mit der Gründung eines Leipziger 'Stützpunktes' der NPD-Jugendorganisation 'Junge Nationaldemokraten' im April 2008 wurde deutlicher, dass die Stadt näher ins Visier der Nazis gerückt ist."
Juliane Nagel, Mitglied des Landesvorstandes Die Linke Sachsen
Dauerhafter Standpunkt in Leipzig?
Keine hundert Meter vom Lindenauer Markt entfernt, in der Odermannstraße 8, hat die rechtsextreme Partei mit ihrem Sachsen-Vorsitzenden Winfried Petzold, seit letzter Woche ein Leipzig-Büro. Da die NPD eine zugelassene Partei ist, könne die Stadt den Stützpunkt nicht verhindern, sagt Leipzigs Oberbürgermeister Burghard Jung. Auch Frank Kimmerle, Leiter des Erich-Zeigner-Hauses, sieht schwarz. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass das eine Sache ist, die sich nicht von heute auf morgen beseitigen lässt." Dass die NPD-Funktionäre so schnell verschwinden, wie sie gekommen sind, sei nicht zu erwarten.
Schlechte Werbung für Lindenau
Für die Lindenauer Einwohner dürfte der Ruf ihres Stadtteils auf dem Spiel stehen. Stadtteilmoderator Tobias Habermann fürchtet, dass gerade die jungen Familien, Künstler und Kulturschaffenden wieder wegziehen, durch die der Stadtteil sich vom heruntergekommenen Arbeiterquartier zu einem modernen, urbanen Stadtviertel entwickelte. Matthias Schiffner, Dramaturg am Theater der Neuen Welt am Lindenauer Markt, sieht bereits jetzt vielschichtige Probleme durch die Aktivitäten von Rechtsextremisten in Lindenau. Rechtsextreme Esoterik-Broschüren über die Verwendung hakenkreuzartiger Ornamente an jüdischen Tempeln musste er jedenfalls schon im Foyer des Theaters einsammeln und entsorgen.
Widerstand in der Bevölkerung
Wahrscheinlich genau deshalb macht sich eine Bürgerinitiative gegen das NPD-Quartier in der Odermannstraße stark. Sie hofft auf eine breite Öffentlichkeit und bürgerschaftliches Engagement. Anwohner, Kulturschaffende und Politiker wollen einen dauerhaften Standpunkt der NPD in Lindenau verhindern, die zwischen den alternativen Läden, Kneipen und Begegnungsstätten in der Odermannstraße in ihrer Festung hinter dem Wellblechzaun und geschlossenen Rollläden ein wenig deplaziert wirkt. (ct)
Hören Sie hier den Beitrag von Tom Gräbe




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