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Der Tonleiter: Eine Hommage an Radio Caroline

Freitag, 26. Februar 2010

Piraten und Radio eine seltsame Mischung möchte man denken. Doch genau diese Kombination hat die Radiokultur beeinflusst und geprägt, wie kaum etwas anderes. Die Bezeichnung „Piratensender“ entstand durch die ungefragte Nutzung freier Frequenzen. Manche Piratensender „kaperten“ auch Frequenzen anderer legaler Sender und überlagerten deren Programm. Wir haben uns mit dem bedeutensten Piratenradio unsere Zeit beschäftigt und ihm eine Hommage gewidmet.

1964: Das Jahr der Gründung

Radio Caroline hatte seine wohl lebhaftesten und revolutionärsten Jahre von 1964 bis 1968. Gegründet wurde es von Ronan O’Rahilly, der damals Musikmanager und Besitzer eines Plattenlabels war. Er versuchte vergeblich Künstler, wie die Rolling Stones, on Air der europäischen Radiostationen zubringen. Die lehnten jedoch immer ab und begründeten ihre Entscheidung damit nur etablierte Künstler zuspielen. Außerdem hatte der britische Sender BBC einen strengen Bildungsauftrag als öffentlich-rechtliche Station: Die Massenkultur der Popmusik passte nicht in das Bild des „Monopol-Senders“ und wurde deshalb komplett verweigert. All das nahm Ronan O’Rahilly zum Anlass seinen eigenen Sender zu gründen. O’Rahilly hatte keine offizielle Sendelizenz durch die britischen Behörden. Daher lies er das Radio von einem Schiff senden, dass Off-Shore - drei Meilen vor der Küste von Essex in internationalen Gewässern ankerte. Am 28. März 1964 ging Radio Caroline erstmalig auf Sendung. Von da an beeinflussten sie die britische Bevölkerung und ihren Status Quo. Indem sie die neuste Pop- und Rockmusik aus Amerika über den großen Teich brachten. 1964 war das Boom-Jahr der britischen Piratensender. Radio Caroline folgten noch viele weitere Radiostationen, darunter Radio Atlanta und Wonderful Radio London. Aber Radio Atlanta hingegen war nicht so erfolgreich. Ihre teilweise vorproduzierten Sendungen konnten die Hörer nicht überzeugen. Aus diesem Grund verbündeten sie sich mit Radio Caroline und wurden einfach in Radio Caroline „South“ umbenannt. Nun trennten sich die Wege der beiden Schiffe. O'Rahilly und seine Crew verlegten ihren Standpunkt nach Norden zur Isle of Man. Das ehemalige Radio Atlanta blieb mit seinem Schiff vor der Küste von Essex.

1966: Das Jahr der Probleme

'66 gab es nicht nur technische Problem bei den Schiffen, nein: auch die Regierung fühlte sich zunehmend bedroht von Piratensendern. Deshalb legte der zuständige britische Minister Anthony Wedgewood Benn dem Parlament einen Gesetzesentwurf vor. Dieser sah vor den Britischen Bürgern das Hören von Piratenradios zu verbieten. Außerdem sollte verboten werden die Sender zu unterstützen oder sich gar daran zu beteiligen. Auch die eigentlich von Großbritannien rechtlich-unabhängige Isle of Man sollte dem Gesetz unterliegen. Denn sie galt als Stützpunkt und Radio Carolines galt und andere Piratenradios.

1967/1968: Radio Caroline ist auf seiner letzten Fahrt

In der Nacht vom 14. auf den 15. August 1967 wurde der „Marine Broadcasting Offences Act“ verhängt. Der Act galt für die gesamte englische Küste, die Inseln zwischen Nordfrankreich und England und auch für die Isle of Man. Somit wurde das hören und senden Piratenradios strafbar. Auch das Werben durch Radio Caroline und seines Gleichen wurde verboten. Für viele Piratensender bedeutete dies das Aus. Doch Radio Caroline flüchtete kurzerhand in die Gesetzesoase des holländischen Hoheitsgebiets und benannte sich einfach in „Radio Caroline International“ um. Mit dieser Position umgingen sie clever das Gesetzt. Radio Caroline war somit der letzte Piratensender auf Sendung. Doch seit dem „Marine Broadcasting Offences Act“ waren die Geldeinnahmen des Senders stark gesunken, weil die Werbepartner sich nicht strafbar machen wollten. Zudem war das Team sehr geschrumpft. Radio Caroline hatte von nun an zwischen zwei und fünf Uhr Sendepause. Am 3. März 1968 schließlich wurden auch die Ankerketten der Radio Caroline gekappt. Eine Bergungsfirma schleppte die Schiffe an Land. Die Firma Wijsmuller kassierte die Kähne als Pfand für unbeglichene Rechnungen.

The Aftermath:

O’Rahilly hatte mit seinem Konzept einen bleibenden Eindruck in England hinterlassen. Die dynamischen Sendungen, in denen die DJs in die Songs reinredeten und einen schnellen Sprachfluss hatten, machten Schule. Sogar die BBC startete sechs Wochen nach dem Gesetz die erste chronologische Chart Show: „Radio by Numbers“. Außerdem entstand auch noch ein Sprössling des BBC: Radio 1 ging mit einem jungen Programm aus Popmusik auf Sendung. Millionen von Radihörern konnten sich eben nicht irren! (LB)

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