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Spätnachrichten vom Freitag, 27. Februar 2009
- Tarifstreit im öffentlichen Dients: GEW lehnt Kompromiss ab
- 450 Telekom-Angestellte bei Warnstreik in Leipzig
- FC-Sachsen droht erneut Vereinspleite
- intec und Z enden mit Besucherzuwachs
- Abschied für Künstler Neo Rauch
- Lebenslänglich für Doppelmörder
- Bundesfrauenkonferenz berät über Benachteiligung
- Jung stellt Kulturpolitik in Italien vor
- 84-jährige Rentnerin verschwunden
Die Lehrergewerkschaft GEW weist die Forderung des Sächsischen Finanzministers nach einem Kompromiss im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes zurück.
Bei der Kundgebung in Dresden sagte Finanzminister Georg Unland, aufgrund der Finanzkrise seien acht Prozent mehr Geld für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst nicht machbar. Die GEW-Vorsitzende Sabine Gerold sagte, es könne der Wirtschaft doch aber nur gut tun, wenn der Konsum steige. Das sei ein Mittel, um eine Krise zu überwinden. Insofern müsste ein Wirschaftsminister wissen, dass er nicht nur sparen, sondern auch die Nachfrage ankurbeln müsse. Die Lohnerhöhung werde schließlich in die Taschen von Beschäftigten fließen, die damit nicht spekulieren, sondern ihren Lebensunterhalt bestreiten würden. Gerold sagte, sollte es am Wochenende in Potsdam keine Einigung geben, müsse mit weiteren Streiks gerechnet werden. An den Warnstreiks beteiligten sich Lehrer von mehr als 300 Leipziger Schulen.
Am Warnstreik bei der Deutschen Telekom haben sich in der Stadt 450 Angestellte beteiligt.
Der Sprecher der Dienstleistungs-Gewerkschaft ver.di, Jörg Pfeiffer, sagte, die Arbeitgeber hätten keinen Grund, die Forderungen nach mehr Gehalt abzulehnen. Die Telekom habe ihren Gewinn im vergangenen Jahr verdoppelt. Die Gewerkschaft verlangt 8,5 Prozent mehr Lohn für ein Jahr, jedoch mindestens 220 Euro mehr im Monat. Die Arbeitgeber bieten bisher drei Prozent für dieses und eine weitere Steigerung im kommenden Jahr an. Die Verhandlungen sollen am Abend in Bonn abgeschlossen werden. Anfang der kommenden Woche soll dann das Ergebnis bekannt gegeben werden.
Dem Leipziger Fußball-Regionalligist FC Sachsen droht erneut die Vereinspleite.
Dem Verein zufolge hat das Leipziger Finanzamt beim Amtsgericht einen Insolvenzantrag gegen den FC Sachsen eingereicht. Auf seiner Homepage erklärt der Verein, er habe Schulden beim Finanzamt. Angeblich solle es um Steuerschulden in Höhe von etwa 100.000 Euro gehen. Der FC Sachsen habe sich mit dem Amt nicht einigen können, wie die Schulden beglichen werden könnten. Die Finanzbehörden hätten daraufhin einen Insolvenzantrag eingereicht. Sollte der Verein seine Schulden bis zur Eröffnung des Verfahrens nicht beglichen haben, wäre ein Abstieg in die Oberliga unvermeidbar. Vorerst laufe der Spielbetrieb in der Regionalliga aber planmäßig weiter. Morgen trifft der FC Sachsen im Zentralstadion auf die zweite Mannschaft von Hertha BSC Berlin.
Die beiden Industriemessen intec und Z sind mit einem Besucherzuwachs zu Ende gegangen.
Mehr als 20.000 Fachbesucher aus ganz Europa nahmen an der größten Industrischau in Ostdeutschland teil. Das waren 20 Prozent mehr als noch im vergangenen Jahr. An den insgesamt vier Messetagen stellten über 1.000 Aussteller aus dem Zulieferbereich und dem Maschinenbau ihre Produkte vor. Nach Angaben der Veranstalter wollen mehr als 80 Prozent der Aussteller beider Messen auch in zwei Jahren wieder nach Leipzig kommen.
An der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) legt morgen Neo Rauch nach mehr als drei Jahren seine Professur nieder.
Der Direktor der HGB, Joachim Brohm, sagte, er und seine Kollegen würden den Rücktritt bedauern. Zahlreiche Studenten seien nur wegen Rauch an die HGB nach Leipzig gekommen. Rauch gelte als Leipziger, der sich auch viel hier im Umfeld bewege und auch Kontakte zu Hochschule und Studierenden pflege. Brohm sagte, Rauch habe seine Professur niedergelegt, weil er wieder mehr Zeit für seine eigenen Arbeiten benötige. An der HGB war Neo Rauch der Nachfolger von Arno Rink, bei dem er zuvor sechs Jahre assistierte. Rauch ist einer der bedeutendsten Vertreter der „Neuen Leipziger Schule.“
Für den Doppelmord an seinen Eltern ist der 32-jährige Sohn zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden.
Wie das Landgericht mitteilte, hat der Mann aus Dölzig seine Mutter mit einer Hantel erschlagen und anschließend seinen Vater ermordet. Das Motiv sei Geldnot gewesen. Das Gericht stellte die besondere Schwere der Schuld fest und folgte mit seinem Urteil den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Dem Landgericht zufolge ist eine vorzeitige Entlassung ausgeschlossen.
Die Sozialistische Jugend Deutschlands trifft sich in der Stadt zu einer Bundesfrauenkonferenz.
Dabei sollen den Veranstaltern zufolge vor allem die Inhalte und Ziele der Mädchen- und Frauenpolitik thematisiert werden. In Workshops und Vorträgen diskutieren die Teilnehmer drei Tage lang über die Benachteiligung von Frauen. Die Frauenkonferenz feiert in diesem Jahr ihr 30-jähriges Jubiläum.
Oberbürgermeister Jung hat im italienischen Turin die Kulturpolitik der Stadt vorgestellt.
Auf einer Konferenz erläuterte Jung vor mehr als 600 Experten die kulturpolitischen Strategien Leipzigs. In seinem Beitrag betonte Jung, dass es für eine Stadt wichtig sei sowohl in die Wirtschaft, als auch in die Kultur zu investieren. Die Einladung des Veranstalters der italienischen Vereinigung von Kultur- und Tourismus sei auch ein Ergebnis der Tournee des Gewandhausorchesters in diesem Jahr gewesen.
Die Polizei sucht seit drei Tagen nach einer 84-jährigen Rentnerin.
Zuletzt wurde die gebürtige Italienerin am Dienstag in der Burgstraße gesehen. Sie ist 1,50 Meter groß, schlank und trägt einen rot-blau karierten Rollkoffer mit sich. Sie spricht gebrochen Deutsch. Warum die 84-Jährige verschwunden ist, sei bislang noch unklar. Hinweise zu der Vermissten nimmt die Kriminalpolizei entgegen.
Frühnachrichten
- Streik an sächsischen Schulen
- Telekom-Beschäftigte im Ausstand
- Sparvariante des Einkaufszentrums am Brühl?
- Mibrag hält an neuem Kraftwerk fest
- Neues Modell für Sanierung von Schulen
- Urteil bei Doppelmord-Prozess erwartet
An Leipzigs Schulen wird heute erneut gestreikt.
Nach Angaben des Sächsischen Lehrerverbandes beteiligten sich rund 300 der 360 Schulen in der Stadt am Warnstreik. Im Rahmen des Tarifstreits würden sich sachsenweit rund 1.000 Schulen beteiligen. Das seien mehr als bei den ersten Warnstreiks Anfang des Monats. Die Lehrer wollen sich vor dem Finanzministerium in Dresden zu einer Kundgebung treffen. Der Lehrerverband rechnet mit mindestens 10.000 Teilnehmern. Eine Notdienstbetreuung für die Schüler in den Schulen sei aber gesichert. Die Lehrer fordern acht Prozent mehr Lohn, mindestens aber 200 Euro im Monat. Die Tarifgemeinschaft der Länder bietet 4,2 Prozent ab Juli.
Auch die Mitarbeiter der Telekom in Mitteldeutschland sind zum Warnstreik aufgerufen.
Nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di beteiligen sich daran auch die Angestellten in den Service-Gesellschaften. Betroffen sind dabei unter anderem Dresden, Leipzig und Chemnitz. In Leipzig haben sich nach Angaben der Gewerkschaft am Morgen rund 250 Mitarbeiter zum Streik versammelt. Infolge des Ausstands könnten Störungen im Netz nicht behoben und Anschlüsse nicht eingerichtet werden. Anrufer der Hotlines der Telekom müssten mit langen Wartezeiten rechnen. Ver.di fordert eine Gehaltserhöhung von 8,5 Prozent für ein Jahr. Jeder Telekom-Angestellte solle mindestens 220 Euro mehr bekommen. Die Telekom bietet drei Prozent in diesem Jahr und eine weitere Steigerung im kommenden Jahr. Gestern hatte nahe Bonn eine weitere Verhandlungsrunde in dem Tarifstreit begonnen. Bundesweit sind rund 83.000 Beschäftigte der Telekom betroffen.
Beim geplanten neuen Einkaufszentrum am Brühl könnten Einsparungen nötig werden.
Nach einem Bericht der Leipziger Volkszeitung hat sich der Essener Investor MfI einen Teil der Kaufsumme des Baugrundstücks stunden lassen. Danach könne er den Kaufpreis von 32 Millionen Euro vorerst nicht vollständig zahlen.
MfI hatte das Baugrundstück am Brühl von der Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft gekauft. Nach dem Bericht könnten bei dem Einkaufszentrum jetzt Einsparungen nötig werden. Der Stadtrat hat am Mittwoch dem Bau am Brühl zugestimmt. Zuvor war der Hauptgeldgeber abgesprungen. Nun will MfI das Einkaufszentrum mit einem Bankkredit über 200 Millionen Euro finanzieren.
Nach seinem Verkauf an den tschechischen Konzern CEZ hält der Energieversorger Mibrag an dem Bau eines neuen Kraftwerkes fest.
Wie der Geschäftsführer Joachim Geisler Mephisto976 sagte, werde mit dem neuen Investor ein entsprechender Plan umgesetzt. Die Tschechen seien hochgradig daran interessiert mit der Mibrag zusammen ein neues Kraftwerk am Standort Profen zu bauen. Dazu werde es zeitnah Gespräche geben. Das neue Kraftwerk soll weniger Kohlendioxid ausstoßen. Deswegen müsste die Mibrag weniger für Umweltzertifikate zahlen. Ein Stellenabbau sei auch nach der Übernahme der Mibrag nicht geplant.
Die Stadt will mit einem neuen Modell denkmalgeschützte Schulen sanieren.
Wie Finanzbürgermeisterin Bettina Kudla mitteilte, sollen in den nächsten drei Jahren 60 Millionen Euro in die Verbesserung von fünf Schulen fließen. Um das Geld ohne eine direkte Neuverschuldung aufzubringen, könne mit privaten Investoren zusammengearbeitet werden. So sollen die denkmalgeschützten Schulen von ihnen saniert und für 25 Jahre bewirtschaftet werden. Die Stadt zahle im Gegenzug dafür Miete. Ob das Modell umgesetzt wird, entscheidet der Stadtrat voraussichtlich im April.
Im Doppelmord-Prozess gegen einen 32-Jährigen aus Dölzig wird am Nachmittag das Urteil erwartet.
Die Staatsanwaltschaft fordert vor dem Leipziger Landgericht eine lebenslange Haftstrafe für den Mann. Er soll seine Eltern ermordet haben. Der mutmaßliche Mörder bestreitet die Tat. Vor zwei Jahren soll der Mann wegen finanzieller Probleme seine Mutter mit einer Hantel erschlagen haben, um an deren Geldkarte zu kommen. Anschließend soll er seinen Vater getötet haben.



