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Spätnachrichten vom Dienstag, 2. September 2008
- Vorläufiger Obduktionsbericht im Fall Michelle
- Staatsanwaltschaft: BILD rücksichtslos im Fall Michelle
- Kommunale VNG-Anteilseigner beenden Zusammenarbeit mit EWE
- FDP und Linke gegen Steuersenkung für Fluglärmopfer
- Neuer Spielplatz für Leipzigs Innenstadt
- Logistikzentrum für Uniklinik
- Mehr Umsatz bei Leipziger Baufirmen
- Trauer um Orang-Utan-Männchen
Im Fall Michelle liegt der Staatsanwaltschaft der vorläufige Obduktionsbericht vor.
Sie wollte sich zum Inhalt aber noch nicht äußern. Sprecher Ricardo Schulz betonte jedoch, dass Medienberichte über angebliche Details zur Tat die Arbeit der Sonderkommission nur erschweren. Die Bild-Zeitung berichtete über angebliche Ergebnisse des Obduktionsberichts, ohne sich auf eine Quelle zu berufen. Dem Bericht zufolge soll Michelle sexuell missbraucht und dann erstickt worden sein.
Die Staatsanwaltschaft wirft der Boulevardzeitung außerdem Rücksichtslosigkeit vor.
Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Ricardo Schulz sagte, die Berichterstattung im Mordfall Michelle behindere nicht nur die Ermittlungen. Er sei besorgt, weil dabei die Interessen der Familie der Verstorbenen in den Hintergrund treten würden. Es werde offensichtlich nur Wert darauf gelegt, dass die Sensationslust der Leser befriedigt werde. Es würde aber in keinster Weise beachtet, dass hier im Hintergrund eine Familie stehe, die durch ein Verbrechen ihr Kind verloren habe. Schulz sagte, die Sonderkommission ermittle mit Hochdruck, um den Mörder der achtjährigen Michelle zu finden. Bei der Polizei seien bisher über 1.000 Hinweise eingegangen. Das Mädchen war vor zwei Wochen verschwunden. Ihre Leiche wurde wenige Tage später in einem Teich in Stötteritz gefunden.
Die kommunalen Gesellschafter der Leipziger Verbundnetz Gas wollen die Zusammenarbeit mit dem Oldenburger Energieversorger EWE beenden.
Einem Bericht der Leipziger Volkszeitung zufolge wollen die zwölf ostdeutschen Stadtwerke als Anteilseigner der VNG den so genannten Konsortialvertrag kündigen. Dieser Vertrag regelt die Zusammenarbeit zwischen den kommunalen Anteilseignern und der Oldenburger EWE. Damit wollen die Stadtwerke dazu beitragen, die Eigenständigkeit der Leipziger Verbundnetz Gas zu erhalten. Seit mehreren Monaten versucht die EWE, die Mehrheit an der Leipziger VNG zu übernehmen. Die VNG ist der größte Gasversorger in Ostdeutschland.
Die Stadtratsfraktionen von FDP und Linken sind gegen eine Senkung der Grundsteuer für Anwohner des Flughafens.
Die Stadtratsfraktion der Grünen hat dazu einen Antrag im Stadtrat eingereicht. Sie will durch die Senkung der Grundsteuer die Anwohner des Flughafens für den Fluglärm entschädigen. Die geringeren Einnahmen bei der Grundsteuer könnten von der Stadt mit höheren Gewerbesteuern durch neu angesiedelte Unternehmen, wie DHL, ausgeglichen werden. Außerdem hätten mehr Leipziger dort eine Arbeit gefunden. Die Stadt spare so an Sozialleistungen. Die Linke hält den Vorschlag der Grünen eigenen Angaben zufolge für reinen Populismus. Das eigentliche Problem der Anwohner werde auch durch niedrigere Steuern nicht gelöst. Dem schließt sich auch die FDP an. CDU und SPD wollten sich bisher noch nicht dazu äußern. Der Stadtrat soll in seiner kommenden Sitzung darüber beraten.
Die Leipziger Innenstadt soll einen neuen Spielplatz bekommen.
Wie die Stadt mitteilte, wird im Oktober mit den Bauarbeiten begonnen. Die als Labyrinth konzipierte Anlage werde in unmittelbarer Nähe zum Bildermuseum entstehen. Es sollen nicht nur typische Spielgeräte aufgestellt werden, sondern unter anderem auch ein Trampolin und eine Kletterwand. Der Bau werde im Frühjahr 2009 abgeschlossen sein. Das Geld für den Spielplatz muss der Stadt zufolge jedoch noch beantragt werden. Das Konzept zum Spielplatz wurde im vergangenen Jahr gemeinsam mit Kindern in einer Kreativwerkstatt entwickelt. Die Bürger hatten sich per Abstimmung für das Labyrinth entschieden.
Das Universitätsklinikum hat ihr neues Logistikzentrum in Betrieb genommen.
Dem Klinikum zufolge soll damit unter anderem die Versorgung der Patienten optimiert werden. Dabei würden Waren nicht mehr über die von Patienten und Besuchern genutzten Wege geliefert. Ein fahrerloses Transportsystem transportiere zum Beispiel Speisen und Getränke. Dafür sind die Klinikgebäude mit dem Logistikzentrum unterirdisch verbunden. Das Logistikzentrum wurde innerhalb eines Jahres gebaut. Es kostet 11,5 Millionen Euro.
Die Leipziger Baufirmen haben im Juni mehr Umsatz gemacht.
Nach Angaben des Statistischen Landesamtes ist der Gesamtumsatz der Leipziger Baubranche im Juni auf rund 47.000 Euro gestiegen. Im Vergleich zum Vormonat ist das ein Plus von über 10 Prozent. Grund für den Anstieg ist die bessere Auftragslage in den Sommermonaten. Im Vergleich zum Mai hatten die Firmen rund 24 Prozent mehr Aufträge.
Der Leipziger Zoo trauert um ein Orang-Utan-Männchen.
Dem Zoo zufolge ist der fünf Jahre alte Orang-Utan an einer Lungenentzündung gestorben. Vermutlich habe sich das Tier bei seiner Mutter angesteckt, die den Infekt jedoch gut überstanden habe. Im Leipziger Pongoland leben derzeit acht Orang-Utans.
Frühnachrichten
- Michelle soll missbraucht worden sein
- Kundgebungen in Stadt bleiben friedlich
- Stadt und UNICEF beraten über Partnerschaft
- Fraktionen für Sozialticket ab 2009
- Grüne: Grundsteuersenkung für Fluglärmbetroffene
- Neuzugang beim FC Sachsen
Die achtjährige Michelle soll vor ihrer Ermordung sexuell missbraucht worden sein
Das geht aus einem Bericht der Bild-Zeitung hervor. Die Obduktion der Leiche habe ergeben, dass das Mädchen missbraucht und erstickt worden sei. Außerdem stamme ein im Wald gefundenes Haarbüschel definitiv von Michelle. Die Polizei wollte das nicht bestätigen, aber auch nicht dementieren. Es sei nicht nachzuvollziehen, dass darüber berichtet werde. Das störe die Ermittlungen. Es gelte nach wie vor eine Nachrichtensperre. Das Mädchen war vor zwei Wochen verschwunden und einige Tage später tot aufgefunden worden.
Die gestrigen Kundgebungen im Zusammenhang mit dem Mord an der achtjährigen Michelle sind friedlich geblieben.
Nach Angaben der Polizei versammelten sich in der Oststraße rund 280 Rechtsradikale. Sie forderten die Todesstrafe für Sexualstraftäter. Im Täubchenweg gab es eine Gegenveranstaltung mit rund 100 Teilnehmern. Auch auf dem Augustusplatz demonstrierten etwa 40 Menschen gegen die Instrumentalisierung des Mordes durch Rechtsextreme. Mit dabei waren unter anderem Vereine, Bürgerinitiativen und der Oberbürgermeister Jung.
Die Hilfsorganisation UNICEF und die Stadt haben sich zu ihrer zukünftigen Zusammenarbeit beraten.
Dazu trafen sich gestern mehr als einhundert Vertreter Leipziger Unternehmen, von Vereinen und Verbänden im Neuen Rathaus. Mit dabei war neben der nationalen UNICEF-Botschafterin Sabine Christiansen auch Vorstandsmitglied, Tom Koenigs. Er warb für Spenden für das Hilfswerk. Damit solle Kindern in Afrika geholfen werden. Schulen in Afrika sollten unterstützt werden, damit mehr Kinder zur Schule gehen könnten. Auch weitere Schulen sollten gebaut und Lehrer fortgebildet werden. Hinzu kommt ein Überlebenspaket im Niger, so Koenigs. In dem Land mit einer der höchsten Kindersterblichkeiten solle die Versorgung der Kinder verbessert werden. Auch Oberbürgermeister Burkhard Jung forderte die Leipziger dazu auf, das Kinderhilfswerk zu unterstützen. Nach seiner Krise sei UNICEF ein Neuanfang gelungen. Leipzig ist in diesem Jahr offizieller Partner des Kinderhilfswerks.
Der Großteil der Stadtratsfraktionen hält die Einführung eines Sozialtickets im kommenden Jahr für möglich.
Die SPD-Fraktion will im September einen erneuten Antrag dazu einzureichen. Nach Angaben der SPD sei die Einführung des Tickets ab 2009 möglich. Dafür müsse Leipzig im nächsten Jahr jedoch einen ausgeglichenen Haushalt haben. Das sei aufgrund steigender Einnahmen aber machbar. Unterstützt wird der Antrag von den Fraktionen der Linken und der Grünen. Jedoch müsse die SPD erst noch erklären, wie genau sie den Haushaltsausgleich erreichen wolle. CDU und FDP wollen nach eigenen Angaben auch dieses Mal gegen die Einführung des Sozialtickets stimmen. Die Stadt solle besser in geeignetere Projekte investieren, zum Beispiel Schulen und Kindergärten. Das Sozialticket war im Juli von der Landesdirektion verhindert worden. Grund dafür war, dass die Stadt noch immer neue Schulden macht.
Die Grünen wollen die Grundsteuer in den Stadtteilen senken, die vom Fluglärm betroffen sind.
Wie der Fraktionsvorsitzende der Grünen Wolfram Leuze sagte, solle ein entsprechender Vorschlag noch in diesem Monat in den Stadtrat eingebracht werden. Es müsse überprüft werden, ob die Grundstücke in unmittelbarer Nähe des Flughafens in ihrem Wert gesunken seien. Dann wäre eine Senkung der Grundsteuer zur Unterstützung der Anwohner notwendig. Das könne im kommenden Jahr geschehen. Finanziert werden solle das durch Mehreinnahmen bei der Gewerbesteuer und geringere Sozialausgaben. Die gebe es im Zusammenhang mit der Ansiedlung der Posttochter DHL. Das Bundesverfassungsgericht hatte am Flughafen Leipzig/Halle Frachtflüge in der Nacht erlaubt. Zuvor hatten Anwohner dagegen geklagt.
Der Fußball-Oberligist Sachsen Leipzig hat einen neuen Spieler verpflichtet.
Nach Angaben des Vereins kommt Daniel Rumpf vom FC Erzgebirge Aue. Der 22-Jährige unterschrieb einen Zwei-Jahres-Vertrag. Er könne auf mehreren Positionen spielen. Die offizielle Wechselfrist für Spieler ist gestern abgelaufen.



