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Spätnachrichten vom Montag, 1. September 2008
- Kundgebung Rechtsextremer in Reudnitz
- Gegenkundgebung auf dem Augustusplatz
- Ver.di: Bankenfusion gefährdet Arbeitsplätze
- Westsachsen: Polizei will Zusammenarbeit verbessern
- Spediteure demonstrieren gegen Spritpreise
- Leipziger Friedenspreis verliehen
Im Zusammenhang mit dem Mord an Michelle haben Stadt und Polizei den angekündigten Demonstrationszug Rechtsextremer verboten.
Dem Ordnungsamt zufolge dürfen die Demonstranten eine Kundgebung in der Oststraße im Bereich Holbeinstraße/Hofer Straße durchführen, jedoch nicht durch die Innenstadt ziehen. Die Demonstranten dürfen außerdem weder Alkohol und Trommeln noch Fahnen bei sich haben, so das Ordnungsamt. Waffen und nationalsozialistische Symbole seien ebenfalls verboten. Auf diese Auflagen einigten sich die Organisatoren mit der Polizei und der Stadt. Einem Sprecher der Polizei zufolge sind ausreichend Beamten in der Oststraße, um die Kundgebung abzusichern. Bereits vor einer Woche hatten sich mehrere hundert Demonstranten der rechten Szene an einer Demo in Reudnitz beteiligt. Unter anderem forderten dort Eltern die konsequente Aufklärung des Mordes an der achtjährigen Michelle. In der vergangenen Woche gab es öffentliche Proteste gegen die Teilnahme der Rechtsextremen.
Während der Kundgebung der Rechtsextremen in Reudnitz haben zeitgleich zwei Gegenkundgebungen stattgefunden.
Unter dem Motto „Keine Gewalt – gegen niemanden“ protestieren mehrere Bürgerinitiativen auf dem Augustusplatz, unter anderem die Initiativen „Buntes Reudnitz“, die Bürgerinitiative Plagwitz/Lindenau und der Verein Courage. Sie kritisieren die Forderung der rechtsextremen Demonstranten in Reudnitz, die Todesstrafe für Sexualstraftäter einzuführen. Außerdem wenden sie sich gegen die Instrumentalisierung des Mordes an der achtjährigen Michelle durch rechtsextreme Kräfte. An der Kundgebung haben sich rund 40 Menschen beteiligt.
Auch im Osten Leipzigs findet unter dem Motto „Nazis sind keine Kinderfreunde – Nazis sind Menschenfeinde“ eine Gegenkundgebung statt. Organisiert wurde diese vom "Ladenschluss-Bündnis". Es werden rund 200 Teilnehmer erwartet.
Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di befürchtet durch die Fusion von Dresdner Bank und Commerzbank den Abbau von Arbeitsplätzen.
Ver.di-Sprecher Stefan Wittmann sagte, Leipzig könnte besonders von Stellenstreichungen bei beiden Banken betroffen sein. Sie seien neben der Deutschen Bank die Einzigen, die in den neuen Bundesländern einen Verwaltungsstandort unterhielten. Wittmann sagte, die Verwaltungsmitarbeiter seien für die Organisation und Buchhaltung hinter den Kulissen zuständig. Es sei zu befürchten, dass diese Jobs jetzt auch noch nach Frankfurt verlagert würden. Das wolle die Gewerkschaft verhindern. Der Stellenabbau ist sehr schwer zu prognostizieren, so Wittmann. Er könne im niedrigen zweistelligen Bereich liegen, wenn die neue Bank die Verwaltung in Leipzig ließe. Sehr schnell könnten aber auch Stellen im hohen dreistelligen Bereich abgebaut werden, wenn der Standort geschlossen werde. Die Commerzbank habe bereits zugesichert in den kommenden drei Jahren keine Mitarbeiter betriebsbedingt zu kündigen. Das gelte allerdings nicht für die der Dresdner Bank. Über die Zukunft der Mitarbeiter wollen die Geschäftsführungen beider Banken und die Betriebsräte in den kommenden Monaten beraten. Gestern hatte die Commerzbank bekannt gegeben, dass sie die Dresdner Bank für rund 8,8 Milliarden Euro übernimmt. Beide Unternehmen wollten sich nicht zu der Fusion äußern. Sie ist die größte in der deutschen Bankengeschichte.
Die Polizeireviere in Westsachsen wollen ihre Zusammenarbeit verbessern.
Der Leiter der Polizeidirektion Westsachsen Jürgen Georgie sagte, die 13 Reviere im Leipziger Umland hätten sieben übergeordnete Revierverbände gebildet. So würden zum Beispiel die Reviere Grimma und Wurzen in einem Verband zusammenarbeiten. Nur die Reviere Markleeberg und Döbeln blieben eigenständig. Die örtlichen Polizeistationen würden jedoch nicht geschlossen. Georgie sagte, es sei nun ein einfacherer Austausch von Beamten zwischen den Revieren möglich. Ziel sei es, insbesondere im Bereich der Kriminalitätsbekämpfung, mehr Beamte vor Ort einzusetzen. So könnten Wegezeiten verkürzt werden. Das gelte vor allem für die Polizisten im Streifendienst. Georgie sagte, die Reform habe keinen Stellenabbau zur Folge. Sie ist seit heute in Kraft.
Während eines Protestkorsos am Nachmittag stockte der Verkehr auf den Autobahnen um Leipzig.
Zu der Aktion hatte der Fachverband der Möbelspediteure und Logistik Mitteldeutschland aufgerufen. Speditions- und Taxiunternehmen aus der Region protestierten gegen die hohen Spritpreise und eine mögliche Erhöhung der Mautgebühren. Der Korso führte vom Parkplatz der Neuen Messe über die A 14, A 38 und A 9. Laut Polizei beteiligten sich 40 LKWs an der Protestfahrt. Die Organisatoren sprachen jedoch von rund 150 Beteiligten. Inzwischen hat sich der Verkehr wieder normalisiert.
Vor der Nikolaikirche ist am Abend der „Leipziger Friedenspreis" verliehen worden.
Dem Initiativkreis „Leipzig gegen Krieg“ zufolge geht der Preis an Dinanga Cingoma vom Leipziger Verein „Lebendiges Kongo“. Der Verein engagiert sich für die berufliche Ausbildung ehemaliger Kindersoldaten im Kongo. Sie sollen beispielsweise zu Feuerwehrmännern ausgebildet werden. Die symbolische Auszeichnung ist eine aus einem Schwert geschmiedete Sichel und wird von der Initiative gestiftet. Mit dem Preis will sie Bürger und Vereine ehren, die sich für den Frieden einsetzen.
Frühnachrichten
- Proteste wegen Mord an Michelle in der Innenstadt
- Polizei befragt Kleingärtner
- Zu wenig Kontrollen in Pflegeheimen
- Protestkorso auf Autobahnen um Leipzig
- Online-Buchungssystem verzögert sich
- Sachsen Leipzig verliert
- Pokal-Aus für Blue Lions Leipzig
Wegen dem Mord an der achtjährigen Michelle sind Proteste in der Innenstadt geplant.
Eigenen Angaben zufolge will die Bürgerinitiative Buntes Reudnitz am Nachmittag gegen die Vereinnahmung des Mordes durch Rechtsextreme protestieren. Auf dem Augustusplatz will die Bürgerinitiative für einen angemessenen Umgang mit dem Mord an Michelle demonstrieren. Der Augustusplatz ist aber auch das Ziel einer Demonstration Rechtsextremer. Die soll an der Grundschule des Mädchens starten. Nach Informationen von MDR 1 Radio Sachsen will die Stadt die Demonstration noch verhindern. Der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung hatte Ende vergangener Woche die Vereinnahmung des Mordes durch rechtsextreme Demonstrationen scharf verurteilt. Das sei menschenverachtend.
Die Suche nach dem Mörder der achtjährigen Michelle geht indes weiter.
Die Polizei befragte nach eigenen Angaben am Wochenende Kleingärtner im Umkreis des Teiches, in dem das Mädchen gefunden wurde. Außerdem sei auf der Suche nach der Tasche und der Jacke des Kindes ein Altkleidercontainer durchsucht worden. Eine konkrete Spur gebe es aber noch nicht. Bisher seien rund 1.000 Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen. Das Mädchen war vor zwei Wochen verschwunden und später tot in einem Teich in Stötteritz gefunden worden.
Die Pflegeheime im Raum Leipzig können nur unzureichend kontrolliert werden.
Einem Bericht der Dresdner Morgenpost am Sonntag zufolge wurden in diesem Jahr von knapp 250 Pflegeheimen nur 44 kontrolliert. Wie eine Sprecherin der Landesdirektion Leipzig mitteilte, fehlt es an Mitarbeitern. Das bestätigte auch das Sozialministerium. In Leipzig sind zwei Mitarbeiter mit der Kontrolle der Pflegeheime beauftragt. Die seien jedoch nur Verwaltungsangestellte.
Auf den Autobahnen um Leipzig kann es am Nachmittag Staus geben.
Grund dafür ist ein geplanter Protestkorso gegen Spritpreise und eine mögliche Mauterhöhung. Den hatten Speditions- und Taxiunternehmen angekündigt. Der Korso soll über die A9, A14 und A 38 führen. Dazu würden mehrere hundert Teilnehmer mit rund 600 Fahrzeugen erwartet. Sie sollen bis zum Abend auf dem Autobahnring unterwegs sein.
Das Online-Buchungssystem für Plätze in Kindertagesstätten verzögert sich.
Wie das Jugendamt mitteilte, sollte das geplante Kita-Buchungssystem eigentlich heute starten. Wann es online gehen kann wird im Laufe des Tages beraten. Das geplante System soll Eltern ermöglichen über das Internet oder direkt bei der Kita einen Platz zu buchen.
Der FC Sachsen Leipzig hat gegen die zweite Mannschaft von Hertha BSC Berlin verloren.
Am dritten Spieltag der Fußball-Regionalliga unterlagen die Leipziger mit 1 zu 2. Erst kurz vor dem Ende der Partie entschieden die Berliner das Spiel für sich. Im Gegensatz dazu schaffte es Lok Leipzig an die Tabellenspitze. Der Oberligist hat auch sein drittes Saisonspiel gegen den VfB Pößneck mit zwei zu null gewonnen.
Der Eishockey-Oberligist Blue Lions Leipzig ist aus dem deutschen Eishockey-Pokal ausgeschieden.
Gegen den Deutschen Meister, die Berliner Eisbären, verloren die Leipziger ihr Heimspiel mit 2 zu 10. Gegen Hannover Scorpions hatte es zuvor eine 2 zu 13-Niederlage gegeben. Damit ist für die Leipziger nach der ersten Pokal-Runde Schluss.



