Spätnachrichten vom Mittwoch, 9. Juli 2008
- Stellenstreichungen bei Siemens auch in Leipzig
- Direktor des Polnischen Instituts Berlin begrüßt Entscheidung für Leipzig
- Mendelssohn-Denkmal wird wieder aufgebaut
- Girardet bleibt vorläufig Kulturbürgermeister
- Stadt verkauft Gelände im Industriepark Nord.
- 9. Oktober wird städtischer Feiertag
- Bei Grabungen entdeckter Brunnen stammt aus der Steinzeit
- Neuer Spieler beim 1. FC Lok
Von der Stellenstreichung bei Siemens werden in Leipzig voraussichtlich weniger als 100 Mitarbeiter betroffen sein.
Sieglinde Merbitz von der IG-Metall Leipzig sagte, die genaue Zahl der Entlassungen stehe noch nicht fest. Bisher sei lediglich der Wirtschaftsausschuss des Gesamtbetriebsrates über die Pläne informiert worden. Die regionalen Betriebsräte sollen in der kommenden Woche über die Einzelheiten informiert werden. Merbitz sagte weiter, es werde jedoch nur ein Standort betroffen sein. In der Stadt arbeiten zurzeit über 2.000 Mitarbeiter, unter anderem in den Werken Plagwitz und Böhlitz-Ehrenberg. Siemens will im Vertrieb und in der Verwaltung 1,2 Millionen Euro einsparen. Dazu sollen weltweit rund 17.000 Mitarbeiter entlassen werden. Allein in Deutschland sollen mehr als 5.000 ihre Arbeit verlieren.
Der Direktor des Polnischen Instituts in Berlin begrüßt die Entscheidung für Leipzig als Außenstelle des Instituts.
Tomascz Dabrowski sagte, Leipzig war schon immer eine wichtige Stadt für die polnische Kultur. Es gäbe ein großes Interesse in Mitteldeutschland an Polen als Nachbarland. Dombrowski sagte weiter, die sachsenweiten Proteste seien ein wichtiges Signal für den Erhalt des Instituts gewesen. Durch die Umstrukturierung würden sich in Leipzig viele Aufgaben mit Berlin überschneiden. Dadurch könnte es Personaleinsparungen geben. Darüber werde aber noch entschieden.
In der Stadt wird wieder ein Mendelssohndenkmal errichtet.
Nach Angaben der Stadt wird das Denkmal am Dittrichring in der Nähe der Thomaskirche erbaut. Dabei wird das Originaldenkmal neu gegossen.
Das vorherige Denkmal des jüdischen Musikers stand vorm Gewandhaus und wurde 1936, von den Nationalsozialisten abgebaut. Der Verbleib des Denkmals ist bis jetzt unbekannt. Der Neubau kostet rund 360.000 Euro. Knapp die Hälfte der Kosten übernimmt die Stadt. Eingeweiht werden soll es noch dieses Jahr. Wahrscheinlich am 9. November, an dem Tag wurde das alte abgerissen. Felix Mendelssohn Bartholdy lebte rund zehn Jahre in Leipzig und starb hier. Unter anderem gründete er in der Stadt das erste Conservatorium, die erste Musikhochschule Deutschlands.
Georg Girardet bleibt vorläufig Kulturbürgermeister.
Das hat der Stadtrat entschieden. Girardet soll das Amt solange fortführen, bis ein Nachfolger gefunden ist. Außerdem wurde Andreas Müller als Bürgermeister für Verwaltung wieder gewählt. Auch der Vertrag des Gewandhauskapellmeisters Riccardo Chailly wurde um fünf Jahre bis 2015 verlängert.
Die Stadt verkauft eine über 120.000 Quadratmeter große Fläche im Industriepark.
Der Stadtrat hat dem Eilantrag von Wirtschaftsbürgermeister Uwe Albrecht fast einstimmig zugestimmt. Das Gelände soll für rund 6 Millionen Euro an den Logistikanbieter Prologis verkauft werden. Das Unternehmen will auf dem Gelände ein Lieferantenlogistikzentrum für insgesamt 30 Millionen Euro errichten. Dort könnten zum Beispiel Zulieferer der Autoindustrie ihre Produkte produktionsnah herstellen und zwischenlagern. Mit dem Bau soll noch in diesem Jahr begonnen werden.
Der 9. Oktober wird städtischer Feiertag.
Damit soll an die friedliche Revolution von 1989 erinnert werden. Am 9. Oktober demonstrierten 70-tausend Bürger auf dem Leipziger Ring gegen das SED-Regime. Laut Stadtratsbeschluss soll der Tag ab kommendem Jahr städtischer Feiertag sein, allerdings nicht arbeitsfrei.
Ein auf dem Gelände des Flughafens Leipzig/Halle gefundener Holzbrunnen ist etwa 7.000 Jahre alt.
Nach Angaben des sächsischen Landesamtes für Archäologie ist der Brunnen damit eines der ältesten Holzbauwerke Europas. Er sei bereits im Jahre 2005 bei Grabungen am Flughafen entdeckt worden. Für Untersuchungen wurde der Brunnen ausgegraben und nach Dresden gebracht. Dort arbeiten Archäologen seit April dieses Jahres an der umfassenden Analyse des Brunnens. Dabei wurden auch kleinere Tierknochen, Insektenreste und ein Keramikgefäß gefunden.
Der 1. FC Lok Leipzig hat einen neuen Spieler verpflichtet.
Wie der Verein mitteilte, hat Torsten Jülich einen Vertrag für ein Jahr unterzeichnet. Der gebürtige Bornaer spielte bereits in der Jugendmannschaft des 1. FC Lok und dem VfB-Leipzig. Zuletzt stand der Abwehrspieler beim 1. FC Saarbrücken unter Vertrag.
Frühnachrichten
- Polnisches Institut bleibt erhalten
- Personalentscheidungen im Stadtrat
- Planungen für Stadthafen-Bau unterbrochen
- Handwerk befürchtet Lehrlingsmangel
- Studenten übergeben Landtag Petition
- Weniger Drogendelikte
Das Polnische Institut in Leipzig soll nun doch erhalten bleiben.
Nach eigenen Angaben wird es ab dem kommendem Jahr als Zweigstelle des Polnischen Instituts in Berlin weiter bestehen. Das sagte der Direktor des Instituts, Michal Maliszewski, mephisto97.6. Somit sei gesichert, dass auch in Zukunft polnisches Kultur in Leipzig erhalten bleiben. Maliszewski sagte weiter, er wisse noch nicht, ob am Leipziger Institut Arbeitsplätze wegfallen. Das Institut ist für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zuständig. Im April waren Schließungspläne bekannt geworden. Danach gab es eine Reihe von Protestbriefen an das polnische Außenministerium in Warschau. Geschrieben haben unter anderem der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung und der ehemalige sächsische Ministerpräsident Georg Milbradt.
Im Stadtrat stehen am Nachmittag mehrere Personalentscheidungen an.
In der letzten Sitzung vor der Sommerpause stellt sich Andreas Müller erneut zur Wahl als Bürgermeister für Verwaltung. Wird er bestätigt, bleibt er weitere sieben Jahre im Amt. Außerdem tritt sich Georg Girardet als Kulturbürgermeister-Kandidat an. Er wollte eigentlich in Rente gehen, jedoch gibt es noch keinen Nachfolger. Deswegen ist er bereit, den Posten vorerst zu behalten. Außerdem entscheidet der Stadtrat unter anderem, ob der Vertrag des Gewandhauskapellmeisters Riccardo Chailly um fünf Jahre bis 2015 verlängert wird.
Die Planungen für den Bau des Leipziger Stadthafens sind vorerst gestoppt worden.
Nach Angaben der Stadt müsse die Finanzierung neu geprüft werden. Grund sei, dass die Stadt nicht mehr als fünf Millionen Euro Eigenanteil beisteuern wolle. Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal hatte vor drei Wochen angekündigt, dass die Stadt im kommenden Jahr mit dem Bau des Stadthafens beginnen werde. Dafür stünden 1,7 Mio. Euro bereit. Zuvor war die Suche nach privaten Investoren gescheitert. Der Hafen soll im Zentrum West an der Fiedrich-Ebert-Straße entstehen und die Stadt mit den Tagebauseen im Umland verbinden.
Das Leipziger Handwerk befürchtet im kommenden Jahr einen Lehrlingsmangel.
Nach Angaben der Leipziger Handwerkskammer sind in diesem Jahr noch rund 60 Ausbildungsstellen frei. Die Sprecherin der Handwerkskammer, Andrea Wolter, zeigt sich zuversichtlich, dass diese noch besetzt werden können. Im kommenden Jahr werde das aber anders aussehen. Der Geburtenknick komme jetzt in den Betrieben, die Lehrlinge suchen. Das gehe kommendes Jahr los. Der Höhepunkt sei für 2011 zu erwarten. Dann würden sich die Betriebe schon sehr um Lehrlinge bemühen müssen. Wolter sagte weiter, das Problem sei auch, dass viele Bewerber nicht qualifiziert genug seien, um ausgebildet zu werden. Der Präsident der Handwerkskammer, Joachim Dirschka, hatte deswegen gefordert, auch im Ausland nach geeigneten Lehrlingen zu suchen.
Am Vormittag überreichen Studenten dem sächsischen Landtag eine Petition gegen das geplante Hochschulgesetz.
Wie ein Sprecher der Konferenz Sächsischer Studierendenschaften mitteilte wurden dafür rund 8000 Unterschriften gesammelt. Mehr als die Hälfte davon kommt aus Leipzig. Die Petition fordert Änderungen am geplanten Hochschulgesetz. Den Studierenden solle mehr Mitspracherecht eingeräumt werden. Den Gesetzesentwurf zum neuen Hochschulgesetz bringt die Sächsische Staatsregierung heute im Landtag ein.
Die Zahl der Drogendelikte in Leipzig ist gesunken.
Wie die Polizei mitteilte, gab es rund 1150 Delikte im vergangenen Jahr. Das sind rund 15% weniger als im Jahr davor. Dabei geht es um den Besitz, den Handel und den Konsum von illegalen Drogen. Leipzig folgt damit dem Trend in Sachsen.



