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Spätnachrichten vom Donnerstag, 2. Oktober 2008
- Demonstration von Rentnerinnen auf Augustusplatz
- Sparkasse behebt technische Störungen
- Runder Tisch zu Streit um Eisenbahnstraße?
- Experten-Tagung zu Atommüll-Lagern
- Saison für VCL beginnt
In der DDR geschiedene Frauen haben auf dem Augustusplatz erstmals für ihre Rechte demonstriert.
An der Protestkundgebung haben rund 150 Rentnerinnen aus Ostdeutschland teilgenommen. Nach Angaben der Veranstalterin, Ute Lauterbach, leben viele der Rentnerinnen in Armut. Grund dafür sei, dass die Rente für geschiedene Frauen in der DDR anders als in der Bundesrepublik berechnet worden sei. Lauterbach sagte, die Ungleichbehandlung müsse aufgehoben werden. Es werde gefordert, dass der Einigungsvertrag umgesetzt werde. Für die Rentnerinnen müssten noch spezielle Regelungen gefunden werden. Lauterbach sagte weiter, die Frauen würden eine Gleichbehandlung mit westdeutschen Rentnerinnen verdienen. Seit Jahren würden sie versuchen ihre Rechte einzuklagen. Von den geringen Renten seien noch heute etwa eine halbe Million Frauen betroffen. In Zukunft seien weitere Kundgebungen geplant.
Die technischen Störungen bei der Sparkasse in der Stadt sind behoben.
Nach Angaben einer Sprecherin war die Ursache ein technisches Problem in einem Rechenzentrum in Hannover. Ein Marder hatte eine Leitung durchgebissen. Der Fehler sei inzwischen behoben. Am Morgen hatte der Defekt sämtliche Filialen in Ostdeutschland lahm gelegt. Kunden konnten kein Geld abheben und nicht mit Karte zahlen. Auch beim Online-Banking gab es Störungen.
Im Streit um den Ausbau der Eisenbahnstraße hat die Handwerkskammer Leipzig einen Runden Tisch gefordert.
Nach Angaben der Kammer habe der Ausbau den Leipziger Osten vorangebracht. Dabei seien auch neue Arbeitsplätze entstanden. Die Kosten für den Aufbau dürften nicht allein auf die Anwohner abgewälzt werden. Deswegen sei ein runder Tisch notwendig. Daran könnten unter anderem Händler, Anwohner und die Stadt teilnehmen. Die Anwohner der Eisenbahnstraße sollen für deren Ausbau vor vier Jahren zahlen. Dabei geht es teilweise um fünfstellige Summen. Die Stadt hatte den Anwohnern jedoch vor dem Ausbau zugesichert, dass sie nichts zahlen müssten. Die Zusage hatte jedoch keine rechtliche Grundlage.
In der Stadt haben sich Experten zur Endlagerung von radioaktivem Müll beraten.
Nach Angaben des Instituts für Geophysik und Geologie der Universität ging es dabei unter anderem um die Verschließbarkeit von Lagerstätten. Claudia Schütze vom Institut sagte, die Endlagerung sei sehr kompliziert. Es dürfe nichts von außen eindringen, was die Stabilität gefährde. Die Forschung solle gewährleisten, dass das vorher geprüft werden könne. Das Institut ist eines der bundesweit führenden bei der Erforschung, wie Lagerstätten verschlossen werden können. Deswegen trafen sich die Experten in Leipzig. Vor kurzem hatte die mangelhafte Lagerung von Atommüll im niedersächsischen Versuchsendlager Asse bundesweit für Aufsehen gesorgt.
Für den Volleyball-Club Leipzig beginnt am Abend die neue Bundesligasaison.
Die Leipziger starten mit einem elfköpfigen Kader in die Spielzeit. Im ersten Spiel treten sie gegen die bayerische SG Eltmann an. In der letzten Saison haben die Leipziger den sechsten Tabellenplatz erreicht. Das Ziel in dieser Saison sei es, den Klassenerhalt zu sichern.
Frühnachrichten
- Stromausfall legt Leipziger Sparkassen lahm
- Czupalla sieht Zukunft der Delitzscher Schokoladenfabrik positiv
- Mehrheit der Stadtratsfraktionen lehnt verkaufsoffene Sonntage ab
- Aluminiumkonzern Norsk Hydro baut Fabrik in Rackwitz aus
- Gottesdienst für in der DDR geschiedene Frauen in Nikolaikirche
- Leipzig ist pessimistischste Großstadt
- Affenpfleger treffen sich im Leipziger Zoo
Ein Stromausfall hat alle Leipziger Sparkassen lahm gelegt.
Nach Angaben der Sparkasse bleiben die Filialen vorerst geschlossen. Die Kunden könnten weder Geld noch Kontoauszüge holen. Selbst Transaktionen per Online-Banking seien nicht möglich, da die Internetseite der Bank nicht erreichbar ist. Insgesamt sind 150 Sparkassen in Nord- und Ostdeutschland betroffen. Schuld an dem Stromausfall ist ein Fehler in einem Rechenzentrum der Sparkassengruppe in Hannover.
Der Landrat von Nordsachsen, Michael Czupalla, sieht die Zukunft der Delitzscher Schokoladenfabrik positiv.
Sie wurde gestern von dem Hallenser Unternehmen Halloren übernommen. Czupalla sagte, die Übernahme sei vor allem dem Engagement der Belegschaft zu verdanken. Wichtig sei zuerst, das der Standort in Delitzsch erhalten bleibe. Es werde aber vorerst nur die Hälfte der Mitarbeiter übernommen, die anderen würden in eine Auffang-Gesellschaft überführt. Er sei optimistisch, dass mittelfristig niemand arbeitslos werde. Wenn die Schokoladenfabrik wieder laufe, würde die Zahl der Mitarbeiter wieder aufgestockt. Das Delitzscher Schokoladenwerk hatte Anfang August Insolvenz angemeldet. Mit einem Darlehen des Freistaates konnte das Unternehmen vorerst weiter produzieren. Seitdem wurde nach einem Investor gesucht.
Die Mehrheit der Stadtratsfraktionen lehnt die verkaufsoffenen Sonntage im Dezember ab.
Die Stadt plant nach eigenen Angaben drei verkaufsoffene Adventssonntage. So solle verhindert werden, dass Kaufkraft aus der Stadt abwandere. Zu diesem Thema sind die Fraktionen des Stadtrates geteilter Meinungen. Die SPD, die LINKE und die Grünen lehnen die verkaufsoffenen Sonntage ab. Auch in der heutigen Konsumgesellschaft müsse ein Tag der Woche frei sein. Die Linken sind aber für Ausnahmeregelungen zu Festtagen. Die FDP hingegen sprach sich für die verkaufsoffenen Sonntage aus. Das sei auch in anderen Ländern üblich. Die CDU wollte sich nicht äußern. Mitte Oktober stimmt der Stadtrat über die verkaufsoffenen Sonntage ab.
Der norwegische Aluminiumkonzern Norsk Hydro baut seine Fabrik in Rackwitz aus.
Das bestätigte eine Sprecherin des Konzerns. Gestern erfolgte der erste Spatenstich für ein neues Werk. Die Erweiterung kostet rund 15 Millionen Euro und soll 45 neue Arbeitsplätze schaffen. Zurzeit sind 165 Mitarbeiter bei Norsk Hydro beschäftigt. Die Firma stellt Aluminiumprofile für technische Anwendungen her.
In der Nikolaikirche findet am Nachmittag ein Gottesdienst für in der DDR geschiedene Frauen statt.
Nach Angaben eines Betroffenen-Vereins soll damit auf das Schicksal der Frauen aufmerksam gemacht werden. Die Mehrheit dieser Frauen lebe in Armut, weil sie kaum Rente bekämen. Der Pfarrer der Nikolaikirche Bernhard Stief sagte, diese Frauen seien beim Einigungsvertrag vergessen worden. Es seien Frauen die ihren Männern den Rücken frei gehalten hätten und Kinder groß gezogen hätten. Sie seien also nie arbeiten gewesen und bekämen deswegen auch keine Rente. Einige von ihnen würden am absoluten Existenzminimum leben. Es gehe nicht nur um Geld, sondern auch um Anerkennung für die Frauen. In der DDR geschiedene Frauen bekommen weniger Rente, weil in der Bundesrepublik die Rente anders berechnet wird. So wurden in der DDR unter anderem pro Kind drei Jahre Erziehungszeit berechnet, in der BRD nur eins. Ausgleichszahlungen für die Frauen gibt es keine.
Leipzig ist die pessimistischste Großstadt Deutschlands.
Das ergab die Zuversichtsstudie der Versicherungsgesellschaft Allianz. Demnach sind die Zukunftserwartungen der Leipziger besonders niedrig. 85 Prozent der Befragten würden bezweifeln, dass sich Deutschland im kommenden Jahr positiv entwickeln werde. Nur knapp jeder fünfte Befragte habe Vertrauen in die deutsche Wirtschaft. Grund sei vor allem die schwierige Wirtschaftslage. Leipzig sei vom Strukturwandel besonders schwer betroffen. Für die monatliche Studie werden bis zu 1.000 Bürger befragt. Bei der aktuellen Umfrage wurden zum ersten Mal die deutschen Großstädte miteinander verglichen.
Im Leipziger Zoo treffen sich über einhundert Affenpfleger zum Erfahrungsaustausch.
Wie der Zoo mitteilte, geschieht dies im Rahmen der zehnten Fachtagung zur Affenhaltung. Bis zum Sonntag tauschen sich die Affenexperten über Haltungsstandards und ihre Erfahrungen mit den Tieren aus. Außerdem sprechen sie über verschiedene Artenschutzprojekte und die neusten Ergebnisse des Zentrums für Primatenforschung in Leipzig. Mit der Menschenaffenanlage Pongoland und dem angebundenen Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie biete Leipzig gute Vorraussetzungen für eine solche Tagung.



