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Team Ungarn: Unser Leben als Landstreicher

Sonntag, 17. Mai 2009

„Szia, Hortobagy fele megy? “ - „Hallo, fahren Sie nach Hortobagy?“ - Das ist unsere Standardfrage, mit der wir Fahrer ansprechen – sofern einer mal für uns anhält. Wir trampen seit über eine Woche durch Ungarn, seit Dienstag sind wir auf dem Land unterwegs. Angewiesen sind wir auf Menschen, die ein Auto besitzen und so mutig sind, zwei „Landstreicher“ am Straßenrand aufzusammeln.

"Landstreicher" in der Puszta
Attila: Badeshose passend zum Wagen
Pferdekutsche bei Tiszafüred
Letscho und Wein für die Gäste

Und so brausen wir meist mit Geschäftsmännern aus der Hauptstadt und 150 km/h durch die weiten Landschaften der Puszta. Jozsef zum Beispiel erzählt uns vom Kreditkartengeschäft und ruft seine Sekretärin an, die uns die Firmengeschichte noch einmal in perfektem Englisch erklärt.

 

Ab und zu nimmt uns auch ein Einheimischer mit. So wie Attila, der orangefarbene Shorts trägt und eigentlich zum Baden fahren wollte. Nun fährt er für uns einen Umweg und bringt uns in die nächste Kleinstadt, denn wir hängen schon seit zwei Stunden in seinem Dorf fest.

 

Kopftücher und Turnschuhe

Je weiter wir uns von Budapest entfernen, umso verschlafener werden die Orte. Pferdewagen auf asphalitierten Straßen begegnen uns, und alte Frauen mit Kopftüchern, langen Röcken und Turnschuhen gucken über Gartenzäune. Sie schauen uns misstrauisch an, doch wenn wir mit einem freundlichen „Jo napot“ grüßen, lächeln sie uns zufrieden zurück.

 

Je weiter wir uns von der Haupstadt entfernen, umso schwieriger wird auch die Verständigung. In Nadujfalu oder Cibakhaza spricht kaum einer der Bewohner Deutsch oder Englisch. Also sind wir abhängig von Leuten, mit denen wir uns zumindest bruchstückhaft unterhalten können.

 

Daumen runter bei der EU
 

Unsere Ungarischkenntnisse beschränken sich auf „Guten Tag“, „danke“ oder, dass das Essen gut geschmeckt hat. Bei Gesprächen über die aktuelle Regierung oder den Beitritt zur Europäischen Union geraten wir an sprachliche Grenzen. „EU – gut oder schlecht?“, fragen wir auf Ungarisch und bewegen den Daumen nach oben und nach unten. Meistens zeigen unsere Gastgeber sofort nach unten. Aber sobald sie ausführlicher antworten, verstehen wir sie nicht mehr, enstehen Missverständnisse.

 

Trotz allem sind wir überrascht über die Gastfreundlichkeit der Menschen. Sobald klar ist, dass wir für heute die Gäste des Hauses sind, räumt die Gastmutter die Speisekammer leer und wärmt selbstgemachten Letscho in der Mikrowelle auf. Jeden Tag werden wir abgefüllt mit selbsthergestelltem Wein und Palinka, einem hochprozentigem Pflaumenschnaps.

 

Ständiger Abschied

„Wollt ihr nicht noch einen Tag bleiben?“ – Doch wir müssen weiter, stehen eine Stunde später schon wieder am Straßenrand. Ungarn ist viermal kleiner als Deutschland. Trotzdem sind zwei Wochen viel zu kurz. Wir ziehen weiter wie Landstreicher, die es nicht lange an einem Ort aushalten.