Team Tschechien: Wein und Weizen in Mähren
Wir haben das laute Prag und das hügelige Böhmen verlassen und sind in Mähren (Moravia). Hier reift in einem milden Klima der moravische Wein. Jachim, unser Autofahrer von Prag, lädt uns nach Hodonin ein, einem Ort direkt an der Grenze zur Slowakei. In Hodonin leben Jachims Schwiegereltern: Babicka Anna und Dedecek Tomas. Zwei muntere Renter, die uns mit selbstgebackenem Brot und eigener Marmelade versorgen.
Mährische Gastfreundschaft
Tomas ist 73, er steht neben dem Küchentisch. "Bitte essen," sagt er und zeigt auf den gedeckten Tisch. Wir sitzen auf der mit rotem Leder bezogenen Holzbank am Fenster in der kleinen Küche. Vor uns kalter Hackbraten, Eier, Salami, Käse und Brot. Ob wir allein essen, fragen wir. Tomas grinst und zeigt auf seinen Mund. In der oberen Reihe fehlen mehrere Zähne. Er war heute beim Zahnarzt, sagt er und zeigt uns eine Tablettenschachtel. "Das ist mein Abendbrot." Er kichert.
Häkelpantoffeln und Blümchentapete
Tomas und seine Frau Anna sprechen kein Deutsch. Bei der Übersetzung hilft uns Schwiegersohn Jachim. Der 43-Jährige arbeitet für eine Firma in Deutschland im Außendienst und spricht deshalb fließend Deutsch. In der Nähe von Hodonin hat er gerade Termine, deswegen übernachtet er bei seinen Schwiegereltern. Eigentlich wohnt er in der Nähe von Karlsbad. Unser Projekt findet er spannend - er möchte selbst mal für längere Zeit durch Tschechien wandern. "Aber das darf ich erst, wenn ich erwachsen bin", lacht er,"das sagt meine Frau." Dann bringt er uns eine Treppe höher. Unsere Füße stecken in selbstgehäkelten Pantoffeln und bei jedem Schritt knarren die Stufen. In einem großen Zimmer mit Blümchentapete an der Wand warten zwei frisch bezogene Betten auf uns. Wir strahlen. Jachim warnt uns: "Wartet erstmal ab und schlaft eine Nacht darin". Die Betten sind etwas eingelegen, aber deutlich bequemer als unsere Isomatten.
Viel Liebe zum Land: Mährische Gartenfreunde
Am nächsten Morgen steht das Frühstück schon für uns bereit: selbstgekochte Marmelade und selbstgebackener Rosinenzopf. Durch das Küchenfenster scheint die Sonne. "Hier ist das Klima milder als woanders", erzählt Jachim. "Deswegen gibt es auch so viele Weinbauern hier." Auch in Annas und Tomas' Garten hinter dem Haus wachsen kleine Weinpflanzen. "Daraus machen wir aber keinen Wein", lacht Jachim, "mein Schwiegervater weiß, wo er seinen Wein herbekommt, da muss er keinen eigenen machen." Anna und Tomas haben neben dem Garten auch noch ein Stück Acker am Stadtrand. "Sie wollen das Land nicht abgeben, obwohl sie schon etwas älter sind", zuckt Jachim die Schultern. Schwiegermutter Anna lacht. Ihr munteres Gesicht ist gebräunt von der Frühlingssonne. "Jeder in Mähren hat ein bisschen Land zum bewirtschaften, das gehört dazu", erzählt Jachim. Dann brechen wir auf - er nimmt uns noch mit zu unserer nächsten Station Brünn.
Wein- und Weizenfelder - Durch das mährische Land
"Hier achtet jeder auf sein Haus - ein verfallenes Grundstück findet man hier nur schwer", erzählt Jachim auf dem Weg von Hodonin nach Brünn. Mähren gelten in Tschechien als sehr fleißig und sauber. Wir fahren über das mährische Land: weite Getreidefelder, kleine, gepflegte Orte und Weinberge. "Mähren ist die Kornkammer Tschechiens", erzählt Jachim und zeigt auf ein Weizenfeld. "Und die Menschen hier sind sehr katholisch, sonst ist Tschechien ja eher unchristlich."
In Brünn verabschieden wir uns - und vereinbaren ein Wiedersehen. Denn Jachim hat noch Weinflaschen in seinem Kofferraum, von der Weinprobe am Abend zuvor. "Die sind zu schwer für euch, holt sie doch auf dem Rückweg" - unsere Heimroute wird uns also über Karlsbad führen.



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