Team Tschechien: Private Weinverkostung in Mähren
Jan Lekavy ist der größte Weinbauer in Dolni Bojanovice, einem 3000-Seelendorf in Südmähren. Auf 6 Hektar wachsen die Reben, aus denen er 35.000 Liter pro Jahr produziert. Jan lädt uns in seinen Weinkeller zu einer Probe ein und zeigt uns mährische Weinberge.

Ein eigenes Haus für einen Weinkeller. So hatten wir uns das eigentlich nicht vorgestellt. Wir stehen mit Jan vor einem kleinen Häuschen mit zwei Etagen, hier werden leere Flaschen, volle Fässer und Arbeitsgeräte gelagert. In der oberen Etage steht ein großer Tisch mit Sitzbänken und Schafsfällen darauf, "Falls man es nicht mehr nach Hause schafft, kann man gleich hier bleiben," lacht der 45-Jährige. Wir sind in einem von Jans drei Weinkellern - am Dorfrand direkt neben einem Stück Acker. Im Keller des Hauses lagert Jan in großen alten Holzfässern seinen Wein. Er gibt uns zwei kleine Gläser, saugt mit einem Glasballon Wein aus einem Fass und schenkt ein. Rheinriesling. "Nastravj," prostet er uns zu.
Konkurrenz durch Billigweine aus dem europäischen Süden
Jan arbeitet seit 5 Jahren als Weinbauer, er hat die Weinberge von seinen Eltern übernommen und einiges Land hinzugekauft. Die meiste Arbeit erledigt er allein, oft helfen aber auch sein Vater und seine beiden Kinder. Zur Erntezeit beschäftigt er Nachbarn und Freunde. Jan hat ein kleines Familienunternehmen. Seinen Wein verkauft er in ganz Tschechien. Cabernet Sauvignon, Traminer, Mährischer Wein - Sorten, die wir alle durchprobieren. "Durch die EU ist es aber schwieriger geworden auf dem Markt," erzählt Jan. "Billigwein aus Italien und Spanien wird nach Tschechien importiert, das ist nicht einfach für uns Weinbauern." Jan nimmt 3 bis 9 Euro pro Flasche, runtergehen kann er nicht.
In Mähren ist jeder ein bißchen Weinbauer
Dann bringt er uns zu seinem größten Acker: weites Land mit kleinen Weinstöcken - 6 Hektar Land gehören Jan. "Der mährische Wein ist so gut, weil wir feuchte, fruchtbare Erde haben," sagt er. "Mit deutschem Wein kann er auf jeden Fall mithalten." Wir nicken - in unseren Gläsern finden sich die Reste von mittlerweile acht verschiedenen Weinen. "Ich gebe dem Wein keinen Zucker hinzu, er reift natürlich und das ist das Geheimnis." In Dolni Bojanovice hat jeder einen Weinberg - "Das ist so Tradition hier," Jan ist der größte Weinbauer im Ort. Er will uns einen weiteren Keller und weitere Weine zeigen, findet aber den Schlüssel nicht. "Dann trinken wir eben zu Hause weiter.
Tradition über vier Generationen
Im Wohnzimmer des Einfamilienhauses tischt Jans Frau Pawla Salami und Käse, Brot und Cracker auf. Jan öffnet drei Weinflaschen - die Kostproben werden immer größer, unsere Konzentration schlechter. Der Wein aus der Flasche schmeckt würziger und kräftiger - "der ist schon etwas länger gereift," erklärt Jan - junger Wein darf nämlich noch nicht in die Flasche. Das stilvolle Etikett klebt seine Tochter Sarah auf die Flaschen. Sie ist 21 und studiert Pädagogik. Den Weinberg soll später mal Sohn Dan übernehmen. Er geht an eine Mittelschule für Winzer. Dan wäre die fuenfte Generation in der Winzerfamilie. Zum Abschied schenkt uns Jan dann noch zwei Flaschen Dornfelder und Rheinriesling. "Für den Heimweg," sagt er.



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