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Team Tschechien: Die Finanzkrise in Tschechien, sie kam etwas spaeter

Donnerstag, 21. Mai 2009

Während Länder wie Deutschland und die Schweiz die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise bereits im Herbst des vergangenen Jahres zu spüren bekamen, erreichte die Krise Tschechien erst zum Jahresbeginn. Seit Ende Februar kämpft eine kleine Firma in Brünn ums Überleben.

Jan Kratochul telefoniert per Lautsprecher mit einem Kunden
Einer der leeren Schreibtische
Bystronic will sich wacker halten

Überleben trotz Auftragsrückgang
Eva Indrova sitzt an ihrem Schriebtisch in einem Großraumbüro. Sie ist die Buchhalterin bei "Bystronic", dem tschechischen Standort des Schweizer Unternehmens. Seit eineinhalb Jahren vertreibt ihre Firma Maschinen, die Metalle und andere Materialien für die Automobil- und Luftfahrtindustrie schneiden. Das funktioniert mit Hilfe von Lasertechnik. Das Brünner Unternehmen ist für den Vertrieb, die Wartung und die Reparatur der Maschinen in Tschechien und der Slovakei zuständig. "Es ist schwer sich als junges Unternehmen zu etablieren, " sagt Eva Indrova. "Auf der einen Seite ist die Konkurrenz stark, auf der anderen Seite bereitet uns die Krise enorme Probleme. Seit Ende Februar versuchen wir einfach nur zu überleben." In den vergangenen Monaten seien die Auftäge um 70 Prozent zurückgegangen. Die Kunden kaufen keine neuen Maschinen mehr, weil sie sparen wollen, erklärt Indrova. Außerdem seien eineinhalb Jahre nicht viel Zeit, um sich einen Kundenstamm aufzubauen.

Mitarbeiter gehen
Gegenüber von Eva Indrova sitzt Cheftechniker Jan Kratochul an seinem Schreibtisch. Er ist mit 28 Jahren der erfahrenste Techniker im Team der Brünner Firma und telefoniert mit einem Kunden. Er arbeitet bereits seit fünf Jahren für Bystronic. Davon war er drei Jahre in der Schweiz am Hauptstandort angestellt und hat danach den Standort Brünn mit aufgebaut. "Seit Jahresbeginn sind viele meiner Kollegen freiwillig gegangen," sagt Kratochul. "Es gab Probleme mit dem Chef in unserer Firma." Der ist mittlerweile zwar weg, aber die Kollegen auch. Kratochul will aber bleiben. "In diesen Zeiten ist es schwer eine neuen Arbeitsplatz zu finden," erklärt er, "auch wenn wir seit mehreren Monaten fünf Prozent weniger Gehalt bekommen." Viele Kunden berät Kratochul nur noch per Telefon. Die meisten Stühle in dem Großraumbüro sind leer. Auf den buchefarbenen Schreibtischen stehen nur noch wenige Computer. Wo etwa 10 Mitarbeiter Platz hätten, sitzen heute nur noch drei.Trotzdem will er bleiben.

Schwarze Zahlen trotz Krise
Doch nicht nur bei Bystronic macht sich die Krise bemerkbar. Eva Indrova sagt: "In den vergangenen Monaten haben mehrere Firmen ihr Büros in diesem Gebäude geschlossen und sind ausgezogen." Angst um Ihren Job hat Indrova nicht. "Die Konzernleitung in der Schweiz hat uns versichert, dass der Standort Brünn nicht geschlossen wird. Immerhin schreiben wir noch schwarze Zahlen und die Kunden in Tschechien und der Slovakei brauchen unsere Hilfe."

Jan Kratochul und Eva Indrova hoffen, dass die Geschäfte in Zukunft wieder besser laufen. Sie verlassen sich vorerst auf das starke Kapitalpolster von Bystronic in der Schweiz.