Team Tschechien: Besuch in einem Roma-Haus in der Plzner Innenstadt
In Tschechien gibt es 300.000 Roma. Sie sind die größte Minderheit des Landes. Es gibt sie in jeder Stadt und fast überall der gleiche Tenor: Roma sind Sozialschmarotzer, sie sind ungebildet und klauen. In Pilsen treffen wir die Roma-Frau Josepha, sie sagt: "Die Zigeuner hier sind selber schuld, dass die anderen Tschechen sie nicht leiden können." Josepha kämpft für sich und ihre Kinder um Akzeptanz in der Gesellschaft.

Bröckelnde Fassade, freundliche Wohnung
Die temperamentvolle kleine Frau wirft ihre langen, schwarzen Haaren zurück und schimpft. "Dieses Haus ist ein Bordell." Wenn Josepha von Bordell spricht, meint sie Chaos. Wir sind in einer kleinen 2-Raum-Wohnung in einem Romahaus. Die Zimmer sind hell, es ist aufgeräumt. Wir sind überrascht. Denn im Hausflur riecht es nach Urin, der Putz bröckelt von den Wänden. Josepha schenkt uns Kaffee ein und erzählt am Küchentisch: "Die Zigeuner in diesem Haus sind Idioten. Sie machen nicht sauber und arbeiten gehen sie auch nicht." Josepha selbst hat zur Zeit keine Arbeit, zuletzt hat sie einer Fabrik Fernsehbildschirme kontrolliert. "Ich würde gern wieder als Frisörin arbeiten. Das habe ich gelernt." Dann steht ihr Mann Roman in der Tür. Er ist Lackierer in einer Autowerkstatt und kommt von seiner Schicht. Josepha ist es wichtig, dass ihre drei Kinder zur Schule gehen, sie sollen einen ordentlichen Beruf lernen.
Das Nomadenvolk, das sesshaft werden sollte
Sie zeigt uns ihr Wohnzimmer. "Hier schlafe ich mit meinem Mann," sie deutet auf einen Vorhang neben der Tür. Dahinter steht ein Doppelbett. "Die Jungs schlafen hier drüben," Josepha zeigt auf zwei kleine Betten auf der anderen Seite des Zimmers. Die fünfköpfige Familie lebt auf etwa 55 Quadratmetern. Bald zieht Josepha hier aus - sie will unter Weißen leben. Einst waren die Roma ein Nomadenvolk, das umherzog. Die tschechischen Kommunisten zwangen sie jedoch sesshaft zu werden - sie verloren ihre Tradition und ihren Romakönig als zentrale Machtinstanz. Vielen Roma fällt es schwer und manche wollen sich auch gar nicht in die Gesellschaft eingliedern, sagt Josepha.
Amerikanische Ideale
"Wenn alle Zigeuner so denken würden, wie ich, dann hätte unsere Minderheit in Tschechien keine Probleme und niemand würde mehr über Ghettos für Roma sprechen." Davon ist Josepha überzeugt. Sie habe keine Probleme mit der Stadt oder der Regierung. "Ich zahle meine Miete immer pünktlich," freut sie sich. Jeder habe die gleichen Rechte, sagt sie und schaut ihre Kinder an. "Ich sage ihnen immer, dass in Amerika heute auch Schwarze Arzt oder Rechtsanwalt werden können.



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