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Team Slowakei: Tag 9 - Bis ans Ende der EU und zurück

Sonntag, 17. Mai 2009

Melania hält uns ein Wörterbuch unter die Nase: deutsch-ungarisch, ungarisch-deutsch, mit DDR-Flagge. Mit Hilfe dieses Wörterbuchs haben wir uns verständigt, nicht besonders gut, aber es hat gereicht. Melania ist unsere Gastgeberin in Vel´ke Slemence, einem winzigen Dorf an der ukrainischen Grenze. Um genau zu sein, verläuft die Grenze mitten durch dieses Dorf.

Foto: Melania Igancova
Foto: Stefanie Gerressen
Foto: Stefanie Gerressen
Foto: Privat
Foto: Stefanie Gerressen

Samstagmorgen sind wir früh “auf die Straße” und sind über Michelovce fast bis in dieses Dorf getrampt. Aber nur fast. Wir mussten schummeln, um ganz ehrlich zu sein. Aber dieses Dorf stand fest auf unserem Reiseplan und es war fast unmöglich dorthin zu kommen – außer mit dem Bus. Denn in Vel´ke Slemence leben gerade einmal 600 Seelen.

Als wir dort ankamen, dämmerte es bereits und Vel´ke Slemence war wie ausgestorben. Es gibt keine Staßennamen, nur Hausnummern. Wir liefen ratlos die Hauptstraße entlang, bis wir schließlich ein Licht am Ende des Tunnels sahen: die €uro-Bar!

Man spricht deutsch

Tatsächlich hatten wir Glück, die €uro-Bar ist die einzige Kneipe im ganzen Dorf. Und wie es der Zufall will, spricht Kellnerin Angela deutsch. Angela war ein Jahr in Deutschland, in der Nähe von Frankfurt als Au-Pair-Mädchen. Als wir ihr unsere Geschichte erzählten, zog sie die Augenbrauen hoch und winkte ab: “Wenn ihr wollt hier schlafen, ihr müsst bezahlen.” Ein paar verzweifelte Blicke unsererseits und sie fing an, mit den Dorfbewohnern zu diskutieren. Die sind derweil in die Kneipe geströmt – Entweder waren wir die Sensation des Dorfes - oder es war einfach Zeit zu trinken. “Der Mann bringt Euch zu einer Frau, ihr könnt da schlafen.”

Wir schafften unsere Rucksäcke in den Kofferraum des Mannes, kennen weder seinen Namen, noch den der Frau, die uns beherbergen wollte. Er fuhr uns etwa einen Kilometer in die Richtung aus der wir kamen und brachte uns zu Melania.

Eine massierende Imkerin

Melania ist etwa 60 Jahre und führt uns in den ersten Stock, der offenbar unbewohnt war – und zwar seit mindestens mehreren Monaten. Denn die Kletterpflanzen rankten bereits hinter die geschlossenen Jalousien. Als wir eine Matratze aufstellten, mussten wir uns mit Rattenexkrementen anfreunden. Zur großen Erleichterung von Steffi bot Konstantin an, darauf zu schlafen. “Ich habe schon schlimmeres erlebt!” Todesmustig, der Mann. So ranzig die Bude auch wirkte, so lieb war Melania zu uns. Die Ungarin zeigt uns eine alte Visitenkarte mit einer Biene und einem Bienenkorb und stellte Honig auf den Tisch. Und sie zeigt uns einen Wimpel, den wir zuerst für einen Fußball-Fanartikel gehalten haben: Massage, Kosice, Absolventi. Leider hat sie uns keine Massage angeboten. Fußball ist auch nicht ihr Ding. Sie boxt in die Luft und lacht: “Mike Tyson, boxen. Ich liebe.” Weiteren Gesten zufolgesteht sie auf durchtrainierte Körper, die Gute.

Unser Lebenswandel

Um höflich zu sein und weil Steffi gehofft hat, dass der Pfarrer möglicherweise Englisch spricht, haben wir uns mit ihr für die Kirche verabredet. Und zwar schon um halb 8! Am nächsten Morgen haben wir stark gezweifelt, ob wir mitgehen sollen, aber dann sahen wir Melanie: Sie hatte sich extra schick gemacht, mit Rock, Bluse und Feinstrümpfen. Also mussten wir mit. Und tatsächlich: Obwohl Konstantin der Einzige in der Kirche war, der nicht am Abendmahl teilgenommen hat, wurden wir vom Pfarer nach der Messe freundlich begrüßt. Und da er einen karpatendeutschen Vater hatte, sprach er auch wunderbares Deutsch! Manchmal hilft es wohl, in die Kirche zu gehen.

Einmal Ukraine und zurück

Da Konstantins Pass noch in der weissrussischen Botschaft liegt, musste Steffi sich allein auf den Weg in die Ukraine machen. Was für ein Abenteuer! Letztendlich aber doch sehr unspektakulär, auf der anderen Seite der Grenze hat das Dorf nochmal 132 Einwohner und 78 Häuser. Und Steffi hat sich tapfer durch fast alle Häuser gekämpft auf der Suche nach einem Interviewpartner. Und tatsächlich: es gibt in Vel´ke Slemence, auf beiden Seiten der Grenze, genau vier Leute mit denen wir keine Verständigungsprobleme haben: In der Ukraine die einzige Englischlehrerin, die gerade im Schwangerschaftsurlaub und deswegen zu Hause ist, den Pfarrer, die Kellnerin Angela und später noch eine Englischstudentin, die aber eigentlich nach Ungarn ausgewandert ist.

Mittlerweile sind wir wieder bei Pali, einem Freund des Cousins von Zuzana aus Trencin. Diesesmal übernachten wir in Kosice, bei seinen Eltern und starten morgen unseren Interviewtag in Kosice-City!