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Team Tschechien: in der Stadt aus Beton

Donnerstag, 21. Mai 2009

Mit Straßenbahnlinie 1 fahren wir aus der Brünner Innenstadt hinaus ins Grüne. Die Bahn fährt eine gefühlte Ewigkeit durch eine dicht mit Bäumen bewachsene Hügellandschaft, die nicht aussieht als gehöre sie noch zur Stadt. Nach etwa 45 Minuten tauchen dutzende Plattenbauten am Horizont auf. Wir fahren mit der Straßenbahn bis zur Endhaltestelle Bystrc Ecerova und stehen am letzten Gleis einer Satellitenstadt aus Beton.

Das Haus in dem Eva Indrova eine Wohnung kaufen will
Eva Indrova
Das Wohnzimmer
Der Supermarkt ist gleich ums Eck

Wohnungsleerstand gibt es nicht

Dort holt uns Eva Indrova ab, die wir am Vormittag bereits in Ihrem Büro bei Bystronic besucht hatten. Wir spazieren mit Ihr etwa eine Viertelstunde durch die Großwohnsiedlung, vorbei an kleinen Geschäften, einem Supermarkt und mehreren Spielplätzen. "Hier ist jede Wohnung belegt", sagt Eva und deutet auf die teils rechteckigen, teils quadratischen Türme. "Ich bin mit meiner Familie vor sechs Jahren hierher gezogen, weil es so schön ruhig ist," erzählt sie strahlend. Wohnungsleerstand gibt es in Tschechien nicht. Die meisten Tschechen können es sich nicht leisten, selbst ein Haus zu bauen. "Etwa 3,5 Millionen Kronen müssen für ein kleines und etwa 5 Millionen Kronen für ein größeres Haus eingeplant werden", erzählt Eva, "und das bei einem durchschnittlichen Monatsverdienst von 20.000 bis 25.000 Kronen."

Fahrstühle sind nicht für Tramper gemacht

Dann erreichen wir das Haus, in dem Eva mit ihrer Familie eine Wohnung gemietet hat. Sie öffnet die Tür und zeigt auf den Fahrstuhl. "Er ist vielleicht ein bisschen klein," sagt sie und schiebt uns samt Trekkingrucksäcken in den eineinhalb Quadratmeter großen Fahrstuhl. Wie befürchtet, geht die Tür nicht zu, wir sind mit unseren geschätzten 220 Kilogramm zu schwer, der Fahrstuhl bewegt sich keinen Zentimeter und es geht zu Fuß rauf in die sechste Etage.

Eigentumswohnung als Alternative zum Hausbau

Durch einen kleinen Vorraum betreten wir Evas 115 Quadratmeter große Plattenbauwohnung. Den birkefarbenen Laminatfußboden hat ihr Mann mit den beiden Söhnen Ladik und Radek selbst verlegt. "Wir haben viel Geld in die Sanierung gesteckt und hoffen, dass wir die Wohnung irgendwann kaufen können", sagt Eva. Nach der Wende hat die Stadt viele Plattenbauten gekauft und dann vermietet. Nun werden die Wohnungen teilweise als Eigentumswohnungen an die Mieter verkauft. "Allerdings nicht alle", erklärt Eva, "in diesem Haus wohnen so viele alte Leute, die natürlich keine Wohnung mehr kaufen wollen. Aus diesem Grund wird in unserem Haus vorerst keine Wohnung verkauft, aber wir hoffen, dass es irgendwann klappt."

Gegen Mitternacht dürfen wir dann unsere Schlafsäcke im Zimmer des jüngeren Sohnes Radek ausrollen. Der lernt gerade für seine Abiturprüfungen und freut sich, die Nacht vor dem Fernseher im Wohnzimmer verbringen zu dürfen.