Team Slowenien: Unverzagt auf Bärenjagd
Team Slowenien verfolgt das ultimative Ziel seiner Reise: endlich mal einen Bären in freier Wildbahn sehen. Obwohl es mittlerweile schon in der richtigen Region ist, hat es bisher keinen getroffen - dafür aber so richtig nette Menschen.

Es ist zwei Uhr nachmittags, als wir auf der Suche nach Braunbären in Kocevje im Süden Sloweniens ankommen. Die kleine Stadt ist umgeben von dichten Urwaeldern - rund 600 Bären leben in dieser Region, die Bäume sind mit Bärentatzen markiert - hier sollte man sich lieber nicht in den Wald wagen.
Rauf und runter geht unsere Stimmung
Das Trampen hat gut geklappt (hier ist ja alles höchstens 200 Kilometer entfernt) und wir sind frohen Mutes, eine schöne Bleibe zu finden und tolle Geschichten aufzuspüren. Doch schnell verlässt uns der Mut: Es ist Sonntag, alles ist geschlossen, und niemand hier kennt irgendjemanden, der irgendetwas mit Bären zu tun hat. "Aber es gibt da diesen Typen, der hat hier in der Nähe eine Gaststätte mit einem kleinen Zoo, da gibt es auch zwei Bären!" Nein danke, denken wir uns, diesen deprimierenden Anblick wollen wir uns ersparen - wir wollen Bären in freier Wildbahn.
Kaffee im Tierheim
Stattdessen landen wir im Zuge unserer Recherchen bei der örtlichen Tierschutzgruppe. Sie kümmert sich um ausgesetzte Hunde und Katzen, wir treffen uns mit ihnen auf einem Grundstück ausserhalb der Stadt. Die Zeit streicht vorbei, und einen Schlafplatz können sie uns auch nicht anbieten. "Außer ihr wollt hier mit den Hunden und Katzen übernachten, das wäre okay." Wir denken an Anjas Katzenallergie und Mareikes Antipathie gegenüber Hunden und entscheiden uns schnell dagegen.
Kirche als Zuflucht
Es wird spät und wir entscheiden uns, erneut beim Priester in der Kirche zu fragen. Unser Fazit: Priester Anton steht auf dem Sympathietreppchen Sloweniens ganz oben! Er freut sich riesig, uns kennenzulernen, und ohne Zögern organisiert er uns einen Schlafplatz bei der Slowenin Milena, die lange in Deutschland gewohnt hat.
Mit Priester Anton in die naechste Eisdiele
Die Region um Kocevje war bis 1941 von den deutschsprachigen Gottscheern bewohnt. Hitler siedelte sie dann um und nur ein paar Hundert bleiben. Emil ist einer der Nachfahren eines solchen Gottscheers und Priester Anton lädt ihn und uns spontan in die Eisdiele ein. "Er kann viel besser deutsch als ich" - und viel zu erzählen hat er auch. Je mehr wir uns in dieser Region aufhalten, desto deutlicher wird uns: Hier ist die slowenische Gesellschaft gespalten, hier ist die Vergangenheit noch längst nicht aufgearbeitet. Hier werden noch immer Massengräber gefunden, und noch immer gibt es Konflikte zwischen den Parteien, die sich schon im zweiten Weltkrieg gegenüberstanden.
Touristisch wenig erschlossen - nur warum?
Wir sind fasziniert von dieser Gegend - es ist die schönste in Slowenien, die wir bisher gesehen haben. Wälder, Berge, Täler und alte Dörfer. Doch unser Reiseführer erwähnt die Gegend mit keinem Wort, und die Touristeninformation ist vor kurzem geschlossen worden. Unsere Gastgeberin Milena vermutet, dass die Regierung die Vergangenheit nach 1945 noch immer nicht aufklären will und umkämpfte Regionen wie diese daher in den vergangenen Jahrzehnten bis heute vernachlässigt wurden.
Schade, denn in dieser Gegend steckt Geschichte überall, wo man hinschaut. Hier leben Zeitzeugen, die noch viel zu erzählen haben und hier steckt Potenzial, das so einfach ungenutzt bleibt.



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