Team Slowenien in Kroatien: Es lebe die Demokratie!
Nachdem sich Team Slowenien in den vergangenen zwei Wochen ständig in Grenznähe aufgehalten hat, hat es nun den endgültigen Übertritt geschafft: raus aus der EU, rein nach Kroatien!

Wir starten gegen Mittag in Slowenien, laufen zuerst einmal zu Fuß über die Grenze, da wir nur 200 Meter entfernt von ihr übernachtet haben. Schnell geht es von dort in die Kleinstadt Karlovac, von dort wollen wir über die Autobahn nach Zagreb. Wir suchen uns einen günstigen Platz vor der Mautstelle, postieren uns hinter einem schattenspendenden Schild. Und warten. Nach einer Viertelstunde haben wir den Einfall, uns das Schild einmal von vorne anschauen. Und bemerken: Es zeigt an, dass Trampen verboten ist. Na, welch ein Zufall. Wir entscheiden uns fürs Abenteuer und bleiben stehen.
Wilkommen auf der MS Autobahn
Tatsächlich haben wir nach ein paar Minuten Erfolg - ein Truck hält an, so ein richtiger, riesiger, fetter LKW. Somit hat sich eines unserer selbstgesteckten Tramping-Ziele vor unserem letzten Stop doch noch erfuellt. (Weitere erfüllte Ziele: eine Frau hat uns mitgenommen und eine Uralt-Klapperkiste. Nicht erfülltes Ziel: eine Fahrt im Cabrio.) Gegen vier Uhr erreichen wir Zagreb. Nun heißt es ein letztes Mal: Menschen anquatschen und einen Schlafplatz suchen.
Zagreb: Hitze, Abgase und trotzdem toll
"Ihr könntet zur Uni gehen. An der philosophischen Fakultät besetzen sie gerade das Gebaude, da am Besten fragen." Das empfiehlt uns die junge Frau an der Touristeninformation. Na, das hört sich doch nach einem super Schlafplatz an! Rucksäcke auf und ab zum Protest.
"Freie Bildung für Alle!"
Das Gebäude der philosophischen Fakultät ist behängt mit bunten, selbstgemalten Bannern, vorm Eingang steht ein DJ-Pult, das den Vorplatz mit Simpsons- und Futurama-Tunes beschallt. Drinnen ist ein Infostand aufgebaut. "Hallo, wir sind Studenten aus Deutschland, können wir vielleicht bei euch übernachten?" - "Klar, oben gibt es ein paar Seminarräume, die zu Schlafsälen umfunktioniert wurden. Geht einfach rein, legt eure Sachen ab und setzt euch an die Bar."
Ana von der Soli-Bar
An der Bar lernen wir Ana kennen, sie studiert eigentlich Kunstgeschichte, seit einem Monat macht sie aber bei der Blockade mit. Sie erklärt uns, die Studenten forderten freie Bildung, zurzeit müsse man in Kroatien um die 1000 Euro pro Studienjahr zahlen, das sei zu viel. Der Protest ist gut organisiert, für jeden Aufgabenbereich gibt es Verantwortliche, studentische Wachmänner und -frauen passen auf, dass alles friedlich bleibt. Alkohol ist nicht erlaubt, und morgens stehen alle gegen 7 Uhr auf: "Wir wollen zeigen, dass das keine Party für uns ist, wir meinen es ernst".
This is the end, my friend
Unsere Reise neigt sich dem Ende zu, und auch die Blockade der Studenten wird wohl bald ein Ende haben. Den Leuten fehle die Energie, leider habe es bisher kein Zeichen von Seiten der Politik gegeben. Wenn nichts passiert, werden die Studenten wieder streiken, ab Oktober. Aber auch wenn sie ihren politischen Zielen nicht nähergekommen sind: über 1000 Menschen für eine einmonatige Blockade zu organisieren, ist echt eine Leistung, finden wir.



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