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Team Slowakei: Trifft den Paten an Tag 10

Donnerstag, 21. Mai 2009

Immer wenn das Gespraechsthema auf Roma fiel, verzogen sich die Mienen unserer Fahrer oder Gastgeber. Anders Palí: unser Gastgeber in Presov und Košice interessiert sich so sehr, dass er sich nicht nur als Uebersetzer fuer unser naechstes Interview anbietet, sondern organisiert gleich noch einen Termin in einer Roma-Schule fuer uns.

Foto: Pavol Mészáros
Foto: Pavol Mészáros
Foto: Zuzana Grošaftová
Foto: Zuzana Grošaftová
Foto: Zuzana Grošaftová
Foto: Zuzana Grošaftová

Tag 10: Aus dem slowakisch-ukrainischen Grenzdorf zurueck, duerfen wir unser Lager bei Palís Eltern aufschlagen. Nachdem wir schon in seiner neuen WG in Presov uebernachten durften, findet seine Hilfsbereitschaft kaum ein Ende.

The Godfather of Romathan

In Presov einige Tage zuvor uebermannte Konstantin die Muedigkeit - Steffi hingegen konnte dank ihrer Unermuedlichkeit und Feierlaune einen Kontakt zum Direktor des Romathan herstellen - das weltweit einzig professionelle Roma-Theater. Karel Adam erwartete uns schon um zehn und Palí half uns beim Uebersetzen. Zum Glueck, denn die paar Brocken deutsch, die man uns vorher angespriesen hatte, waren doch wenig hilfreich. 50€ fordert Adam von uns. Das kam unerwartet. Am Telefon war davon nie die Rede. Zum Glueck konnten wir ihn davon ueberzeugen, dass wir ihm nichts geben koennen.

Karel Adam ist ein bemerkenswerter Mann und hat eine starke Aehnlichkeit mit Danny de Vito. Seine Markenzeichen: schwarze Lackschuhe, Nadelstreifenhosen und staendig eine Kippe im Mund. Alle hoeren auf ihn, eine Sekretaerin schenkt uns Wasser ein, seine Musiker reagieren auf Haendeklatschen.

(Mehr zum Romathan: mephisto976.uni-leipzig.de/sendungen/faustschlag/beitrag/artikel/slowakisches-romatheater-will-mit-vorurteilen-aufraeumen.html)


Am Ende zeigt sich Karel Adam grosszuegig, er schenkt uns eine CD und Plakate und bittet uns einen freundlichen Artikel zu schreiben. 

Wir gehen in die Schule

Auch Palí war beeindruckt vom Romathan. Uns allen gefiel besonders die Musik, die das Orchester fuer uns spielte: Violinen, Bratschen, Kontrabaesse und ein Zimbal. Vom Roma-Fieber gepackt, wollte wir mehr sehen. Die vielen Ghettos am Stadtrand trauten wir uns aber erst nicht zu. Schliesslich erzaehlt Palí von einer Roma-Schule und fragt uns, ob wir diese gerne besuchen wollen. Zusammen mit Zuzka und Jaru, Freunden unseres Gastgebers, die ebenso interessiert waren, fuhren wir also in ein kleines Dorf zu der Schule.

Dort angekommen beaeugten uns schon neugierige Grundschueler. Palí und seine Freundin Zuzka kamen leicht mit ihnen ins Gespraech und schliesslich fragten sie uns stolz einige Saetze auf Englisch: How are you?

Die Schule selbst ist von oben bis unten geschmueckt mit bunten Bildern, die die Kinder mit ihrem Lehrer gemaclt haben. Es sind Roma-Motive: Musiker mit ihren Instrumenten, tanzenden und lachenden Frauen, Familien. Viele von ihnen sind begabt, ueberall haengen Zertifikate und Urkunden von internationalen Kunst-Wettbewerben fuer Schueler.

Schattenseiten: Schulabbruch und Kampf gegen Windmuehlen

Der Direktor der Schule unterhaelt sich gerne mit uns, moechte aber, dass weder Fotos noch sein Name irgendwo erscheint. Zu schlechte Erfahrungen habe er mit Journalisten gemacht. Dabei waren es aber nicht die Journalisten, sondern viel mehr die Kontrollen des Staates, die ihm nach den Veroeffentlichungen zu schaffen gemacht hatten. Zu viele Schueler, zuwenig Klassenraeume und strenge Auflagen, was die Klassenbelegung betrifft. Ganze Horden von Kontrolleuren stroemen in seine Schule und waelzen Papiere und Unterlagen - sie suchen nach Fehlern und Moeglichkeiten Foerdermittel zu kuerzen, erzaehlt der Direktor.

Die wenigsten der Kinder beenden die Schule, fast alle brechen ab. In der ersten Klasse fragen wir die Kinder, ob sie gerne zur Schule gehen. Ihre Augen strahlen. Hier lernen sie nicht nur schreiben oder lesen, sondern auch wie man eine Toilette benutzt. Viele von ihnen haben noch nie eine gesehen.

Als wir uns wieder ins Auto setzen wollen, werden wir von den Kindern umringt - alle wollen auf unsere Fotos. Sie posieren wie kleine Supermodels und verabschieden uns mit lautem Geschrei.

Das Roma Ghetto

Wir sind im Anschluss durch eines der Roma-Doerfer gefahren. An dieser Stelle lassen wir Bilder sprechen und bedanken uns bei Zuzka, unserer Fotografin.