Team Slowakei: Tag 8 - Halbzeit!
Kaum zu glauben, dass schon eine ganze Woche vorbei ist. In dieser Zeit sind wir einmal durch die ganze Slowakei getrampt, denn mittlerweile sind wir in Presov, nahe der zweitgrößten slowakischen Stadt Kosice, angekommen.

Zeit, ein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern. Zwei Tage haben wir in Bratislava verbracht. Dort haben wir einen kleinen Interviewmarathon hingelegt und mit unserem Gastgeber Tomas, der uns zwei Nächte aushalten musste, Tatra Chai geetrunken. Tatra Chai hört sich harmlos an, ist aber kein Tee, sondern hat lockere 52% Umdrehungen, die ganz harte Variante über 70%. Aber man will ja höflich sein.
Regen und die Blutgräfin in Trencin
Nach Bratislava folgten zwei Tage in Trencin, bei einer Freundin von Tomas. Zuzanna hat uns in ihrer Teestube mit Ingwertee und Couscous gehegt und gepflegt, denn wir beide haben – wie man in den lokalen Medien Leipzigs verfolgen konnte – uns ganz schön erkältet. Am zweiten Tag in Trencin haben wir uns eine kleine Auszeit gegönnt und wollten zur Burg von Cachtice wandern. Das war allerdings nicht so erholsam, wie wir es uns vorgestellt hatten: Es schüttete ununterbrochen! Mitten in der Pampa (denn wirklich: so groß ist Cachtice nicht) und Konstantin ohne Regenjacke saßen wir erstmal fest. Trotzdem kämpften wir uns den Berg hinauf, denn wir wollten unbedingt die Blutgräfin sehen.
Die Blutgräfin
Erzsébet Bárthory (1560 – 1614) war eine ungarische Gräfin und gilt als eine der schlimmsten Serienmörderinnen der Geschichte. Auf ihr Konto sollen bis zu 650 Morde an Jungfrauen und Mädchen gehen. Der Legende nach schlug sie eine ihrer Zofen so heftig, dass ihr das Blut auf ihr Gesicht spritzte. Daraufhin soll ihre Haut wunderbar rosig gewesen sein. Sie lud immer wieder junge adelige Mädchen auf ihre Burg Cachtice ein, um sie später umzubringen. Sie soll unter anderem den gefesselten Opfern mit den Zähnen das Fleisch vom Leib gerissen, ihnen den Mund zugenäht und glühende Münzen in die Hand gedrückt haben. Vor allem aber soll sie deren Blut getrunken und darin gebadet haben, um ihre Schöhnheit zu bewahren. Schließlich wurde Erzsébet Bárthroy 1611 verurteilt und bis zu ihrem Tod in der Burg Chactice eingemauert.
Am nächsten Morgen haben wir uns von Zuzanna und Hugo, dem Radio-sprechenden Wellensittich verabschiedet und uns auf den Weg nach Kosice gemacht. Und wir scheinen zur Zeit ein sehr gutes Tramping-Karma zu haben: nicht länger als eine Stunde gewartet und mit einem Zwischenstopp ununterbrochen durch.
Die Abschlussklasse in Kosice
Kaum in Kosice angekommen, fielen ein paar Jugendliche über uns her: “Do you have some money for us?” Im feinsten Kommunionsanzug und Sonntagskleid ziehen die Schüler der Abschlussklassen seit Tagen durch die Innenstädte und sammeln Geld. In den Schaufenstern der “coolsten” Läden – egal, ob Klamotten oder Friseur- hängen selbstgebastelte Plakate und Collagen mit den Fotos der einzelnen Schüler. Es gibt einen regelrechten Wettbewerb, wer das schönste Plakat hat. Dabei ist der Standort natürlich extrem wichtig. So hatte Konstantin endlich die Gelegenheit, seine letzten tschechischen Kronen loszuwerden.
Presov: Rast und rastlos
Eigentlich wollten wir uns das Roma-Theater in Kosice genauer anschauen. Leider hat niemand auf unser Klingeln reagiert und wir standen vor verschlossenen Türen. Künstlerpech! Da unser Gastgeber nur wenige Kilometer von Kosice entfernt wohnt, machten wir uns auf nach Presov. Palov ist ein Freund des Cousins von Zuzana aus Trencin. Und während Konstantin dort endlich seine Erkältung ausschlafen konnte, zog Steffi mit den Gastgebern Palov und Jaro in das slowakische Nachtleben. Das Ergebnis: jede Menge neue Kontakte und Telefonnummern, darunter auch vom Webmaster der Roma-Theater-Homepage. Bevor wir uns dem Romathan, wie es eigentlich heißt, widmen, werden wir uns aber erst in Richtung Ukraine begeben. Also: weiter in Richtung Osten!



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