Ein Denkmal aus Papier
Jurek Hronowski hat Auschwitz überlebt, arbeitete für den polnischen Geheimdienst und setzte sich 40 Jahre für die deutsch-polnische Versöhnung ein. „Jureks Erben“ von Katarina Bader ist aber vor allem ein Buch über einen Freund.

„Kati, willst Du nicht den Schinken eliminieren?“ Wenn Katarina Bader von ihren persönlichen Begegnungen mit dem ehemaligen Auschwitzhäftling Jurek erzählt, dessen lagergeprägtem Gebrauch der deutschen Sprache und seiner Vorliebe für gutes Essen, leuchten ihre Augen und sie gestikuliert lebhaft. Und schon bleiben die vorbeigehenden Buchmessenbesucher stehen und füllen sich die Hocker vor der mephisto97.6-Bühne.
Katarina Bader lernte den 60 Jahre älteren Polen als Jugendliche bei einem Workshop in der Jugendbegegnungsstätte Auschwitz kennen. Seine Erzählungen aus dem Lageralltag, die immer mit einem Wunder enden - denn nur so ließ sich Auschwitz überleben – berühren Bader, zeichnen sie doch ein anderes, viel persönlicheres und zugänglicheres Bild vom Holocaust als die vielen Thematisierungen in der Schule oder den deutschen Medien.
Der Tod Hronowskis 2006 war für Bader der Anlass, Jureks Lebensgeschichte noch einmal aus der Perspektive von Archiven und den Erzählungen von Weggefährten und Freunden zusammenzutragen. Mit dem Buch will sie ihrem Freund Jurek ein Denkmal setzen. Ein Denkmal nicht aus Stein, sondern aus Papier, da so auch Widersprüchliches und Unheldenhaftes Eingang in das Denkmal finden könne.
Katarina Baders Buch entstand auf der Grundlage eines ihrer Texte auf jetzt.de und den vielen Reaktionen, die sie daraufhin erhielt. Ein Feature vom Südwestdeutschen Rundfunk gibt es hier und unser langes Interview bald auf mephisto97.6. (mdj)



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