Zwei Liedermacher, eine Filmpremiere: Wader Wecker Vater Land
Hannes Wader und Konstantin Wecker sind seit Jahren im musikalischen Geschäft und gehen mittlerweile auf gemeinsame Touren mit einigen Neuinterpretationen ihrer so oft gehörten und trotzdem fabelhaften Songs im Gepäck. Am Dienstagabend wurde es dann aber ernst für die beiden Männer sowie für Regisseur Rudi Gaul, denn da feierte der Dokumentarfilm „Wader Wecker Vater Land“ Premiere auf dem Filmfest München 2011. Und ob man es glauben mag oder nicht, auch über vierzig Jahre Bühnenerfahrung schützen nicht vor Lampenfieber, wie die beiden dann zugeben mussten...

So verschieden und doch so gleich...
Der eine liebt das Minimale, Puristische, performt am liebsten allein mit seiner Gitarre und ist manches Mal „Heute hier, morgen dort“. Der andere mag es gern grandios mit einer großen Band, bevorzugt das Exzentrische und den ganz großen Auftritt. Ja, diese beiden Herren könnten unterschiedlicher nicht sein und dennoch eint sie ihr politisches Statement und ihre Ansichten – jetzt auch auf der Leinwand.
Ihre grauen Haare verraten es: Wader und Wecker sind älter deswegen aber nicht sesshaft geworden. Sie ziehen immer noch (und zum Glück) umher und ließen sich im vergangenen Jahr dabei von dem jungen, aber talentierten Münchener Regisseur Rudi Gaul begleiten. Das Ergebnis waren 80 Stunden Material, wie dieser dann etwas verlegen bei der Premiere erklärte, die auf 90 Minuten herunter gekürzt werden mussten. Und hinzu kam die Skepsis, ob das Ergebnis auch den Protagonisten gefallen würde, denn eines steht fest: Gerade die beiden politisch motivierten Künstler mit jahrzehntelanger Medien- und Skandalerfahrung sind nicht einfach zu überzeugen. Die Erleichterung am Ende des Abspanns war Gaul dann auch anzusehen – und spätestens als der sonst so perfektionistisch und kritisch veranlagte Wader dann sein Okay zu dem fertigen Werk mit dem Satz „Jetzt ist es eh zu spät!“ gab, konnte Gaul sich sein glückliches Siegerlächeln nicht mehr verkneifen.
Begeisterter Beifall - und das aus gutem Grund
Doch nicht nur die Hauptdarsteller, die den Film (auf Wunsch) an diesem Abend übrigens auch zum ersten Mal sahen, bekundeten ihre Zufriedenheit immer wieder, auch das Publikum zeigte mit einem langen Applaus und herzlichen Lachern während der Vorführung, dass das Experiment, Wader und Wecker auf die Leinwand zu bringen, geglückt ist. Mit viel Witz, dem Blick für die kleinen Details (die nahezu wichtigste Zutat zu einem guten Dokumentarfilm) und genau der richtigen Prise nationaler Geschichte zeigt der Film nicht nur ein Porträt der beiden Künstler. Viel mehr geht es auch darum, die alte Mentalität nicht zu vergessen, sich wieder zu engagieren, mitreden zu wollen – kurz: Dinge, die in den letzten Jahren zwar wieder populärer aber noch lange nicht wieder auf dem Stand zu Beginn der beiden Karrieren in der Hochzeit der Nach-68er-Generation ist. So bekundet Wecker „Ich setz auf die junge Generation!“
Nach der Premiere geht der Film "Wader Wecker Vater Land" auf Tournee durch ausgewählte Kinos. Informationen finden Sie auf der Homepage zum Film.
Politik schwimmt somit immer mit, genauso wie Kritik am Kapitalismus, an der rechten Szene, an dem eingeschlafenen Kämpfergeist – und wer nun denkt, dass sich dieser Film in die Reihe der cleanen Dokumentarfilme einordnen lässt, der hat sich getäuscht. Wader, Wecker und Gaul bleiben ehrlich und verschweigen auch nicht die Sucht-Erfahrungen der beiden Deutschen. Während der ursprünglich und bis heute im Herzen gebliebene Bayer Konstantin Wecker in den 70ern einige Zeit in Untersuchungshaft ausharren muss, weil er mit 30 Gramm Koks erwischt wird, erklärt auch Wader, wie er die Zeit der Alkoholexzesse und der nahe am körperlichen Zusammenbruch erlebten Auftritte empfand und was ihn dazu bewegte. Neben Vereinsamung, so die beiden in einem Gespräch, war es vielleicht auch die Überforderung mit der exponierten Stellung, ein Star zu sein und Erwartungen erfüllen zu müssen – diese Gründe teilen die beiden Herren, die übrigens auch auf der Leinwand absolut sehenswert sind!


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