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Etwas ernstere Ausgehtips zu einem etwas wärmeren Wintertag...
Junip - "Fields"
Das schwedische Indiefolk-Trio Junip existiert schon seit über zehn Jahren - bislang war die Gruppe aber nur wenigen Musikhörern bekannt: Denn abgesehen von der 5-Track-EP "Black Refuge" aus dem Jahr 2004 hat die Band vor ihrem Debütalbum "Fields" nie ein Lebenszeichen von sich gegeben - der Frontmann José González hatte aufgrund seiner erfolgreichen Solokarriere schlichtweg keine Zeit für Junip. Doch was lange währt, wird letztendlich gute Musik.

Frontmann ohne Führungsanspruch
Für gute Musik bürgt der Name José González wie ein Michelin-Stern für gute Küche: Schon sein 2003 erschienenes Debüt "Veneer" heimste mehrere Platinauszeichnungen ein und ließ den Sohn argentinischer Einwanderer auf einen Schlag in die erste Singer/Songwriter-Liga aufsteigen. Solo genügen José meist ein ruhig vorgetragener, stets von einem Hauch Melancholie umwehter Gesang und seine an Nick Drake erinnernden Gitarrenpickings, um eine beklemmend-schöne Atmosphäre zu erzeugen. Diese beiden Trademarks bestimmen auch das Klangbild von "Fields" – wenngleich José sein Gitarrenspiel bei Junip etwas reduzierter und weniger verschachtelt anlegt: Schließlich benötigen sowohl das minimalistische Schlagzeugspiel von Elias Araya als auch die sphärischen Moog-, Orgel- und Keyboard-Flächen von Tobias Winterkorn Raum zur Entfaltung. Beide Mitmusiker waren gleichberechtigt an der Entstehung des Songmaterials beteiligt, das über mehrere Wochen bei entspannten Jam-Sessions im heimischen Göteborg ersonnen wurde.
Pop up the Jam, pop it up!
Tracklist:
01. in every direction
02. always
03. rope and summit
04. without you
05. it's alright
06. howl
07. sweet and bitter
08. don't let it pass
09. off point
10. faded the grain
11. tide
Bei einer Jam-Session improvisieren Musiker mit einem Motiv und bauen es immer weiter aus; sie umspielen und variieren es, ohne die Grundidee aus den Augen zu verlieren. Den meisten Stücken auf "Fields" ist deutlich anzumerken, dass sie in einer Jam-Session entstanden sind: Songs wie der zurückgelehnte Kopfnicker "Howl" oder das räucherstäbchenumnebelte Mantra "Rope and Summit" verfügen über keine Strophe-Refrain-Struktur, sondern folgen einem unbeirrbar geradeaus marschierenden Schlagzeugrhythmus in immer komplexer werdende Höhen. Die Tracks auf "Fields" sind also fast ausnahmslos stoisch, linear und repetetiv – monoton sind sie deshalb aber noch lange nicht. Denn die melodiösen Gesangslinien von José González und die behutsam gesetzten Tastentupfer von Tobias Winterkorn verleihen den Songs permanent neue Facetten und sogar einen eigenwilligen Pop-Appeal.
Schwarzer Schimmer statt heller Hochglanz
Junip im Internet:
Myspace-Präsenz
offizielle Homepage
A propos Pop: Spätestens seit ABBA ist Schweden dafür bekannt, wie am Fließband Popsongperlen zu produzieren. Popsongperlen haben eigentlich keine Kanten. Sie sind gewöhnlich auf Hochglanz poliert. Sie gehorchen normalerweise dem Strophe-Refrain-Dogma und erfüllen im Allgemeinen die dreieinhalb-Minuten-Norm. Auch Junip liefern Popsongperlen – aber sie drücken ihnen ihren eigenen Stempel auf: Das Trio zwängt seine Klangkleinode nicht in ein enges Zeitkorsett, sondern lässt sie auch mal – wie im Falle von "Tide" - bis auf sieben Minuten anwachsen. Junip brummen und rumpeln gelegentlich und rauhen ihre Soundoberfläche dadurch behutsam auf. Sie verleihen ihren Liedern einen dunklen, nachdenklichen Anstrich, der geheimnisvoll schimmert, statt grell zu leuchten. Kurzum: Junip brechen mit nahezu allen Pop-Konventionen – und haben mit "Fields" dennoch eine lückenlose Kette aus schwarzen Popsongperlen aufgefädelt. Denn Popmusik zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie berührt, bewegt und immer einen Weg findet, um sich im Gehörgang einzunisten. In diesem Sinne bietet das Debütalbum des schwedischen Indiefolk-Trios Popmusik par excellence.



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