Hört man das Wort Tierversuche, denkt man erstmal an blutverschmierte Ratten und verängstigte Meerschweinchen. Nicht gerade ein schöner Anblick, doch diese Bilder könnten bald Vergangenheit sein. Die Lösung ist ein neues Messgerät der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kunst, HTWK, das lebende Zellen untersucht. Wie das funktioniert und wie es gegen Tierversuche helfen soll, hat Dorothea Hecht herausgefunden.
Menschen in weißen Kitteln laufen durch den Raum, im Hintergrund brummt ein Kühlgerät. Der große schwarze Kasten in der Ecke des Biochemie-Labors in der Biocity ist kaum zu übersehen. In ihm befindet sich das neue Messgerät des Bereichs für Elektrotechnik der HTWK Leipzig. Für einen Laien sieht es einfach nur aus wie ein hochentwickeltes Mikroskop mit vielen komplizierten Details. Doch es steckt mehr dahinter. Schon der Kasten selbst lässt sich nur durch einen schweren Schiebedeckel öffnen. Das, sagt Professor Matthias Sturm, sei beabsichtigt.
Den ganzen Messplatz kann man verschließen und dann können keine störenden Wellen von außen in diesen Messplatz hinein. Man kann also in dem Messplatz nicht mehr mit dem Handy telefonieren, das ist richtig abgeschirmt, komplett und zu.
Trotzdem können die Wissenschaftler auf einem Bildschirm verfolgen, was unter der Haube passiert. Durch eine winzige Kamera sind die lebenden Zellen, die unter dem Mikroskop liegen, tausendfach vergrößert auf einem Bildschirm zu sehen. Daneben erzeugt ein anderes Gerät elektronische Schwingungen, die durch winzige Nadeln in die Zelle geleitet werden. Was dann passiert, ist selbst für Kameraaugen unsichtbar. Denn wie die Zelle reagiert, beschreiben nur die Kurvenbilder, die aus dem Drucker kommen. Damit können die Elektrotechniker nichts mehr anfangen, sagt Mitarbeiter Gerald Bausch.
Wir bemühen uns mehr um die technische Seite, wir versuchen, die Messmethoden zu verbessern. Die Messgeräte, die es gibt, sind noch nicht optimiert. Das ist unser Ansatz, die Geräte zu verbessern und Was dann mit den Messkurven passiert, das ist die Aufgabe der Biologen, da haben wir gar nix mehr mit am Hut.
In der Biologie sind die Messergebnisse aber enorm wichtig. Denn sie geben Auskunft über den Zustand einer lebenden Zelle. Dadurch lässt sich zum Beispiel schnell feststellen, ob ein Mensch an Krebs erkrankt ist.
Und: Tierversuche werden damit überflüssig. Denn wenn sich schon an einer einzelnen Zelle feststellen lässt, ob diese zum Beispiel bestimmte Cremes verträgt, wozu dann noch an Tieren testen?
Matthias Sturm bedeutet das neue Gerät aber noch mehr.
Wir stehen mit dem Messplatz an einer Schwelle, wir versuchen, die Wissenschaft voranzubringen und die Biologen zu unterstützen. Zum anderen ist es natürlich auch für uns ein völlig neues Gebiet, weil wir uns als Fachhochschule zum ersten Mal in die Forschungsprozesse der Universität einbringen.
Nur weil von der Zusammenarbeit beide Fachbereiche, Elektrotechnik und Biotechnologie, profitieren, hat der Freistaat Sachsen das Messgerät finanziert. Fast eine Viertel Million Euro wurde dafür bezahlt. Damit sich die Anschaffung auch lohnt, sollen möglichst bald Studenten mit dem neuen Gerät arbeiten. Doch das ist nur der Anfang. Die Ziele sind hoch gesteckt, denn laut Matthias Sturm gebe es noch so einiges, was Leipzig fehlt.
Das ist das eigentliche Problem, dass die Uni in Leipzig keinen technischen Bereich hat. An diese Stelle möchten wir gerne treten und das Gerät ist schon mal ein guter Beweis dafür, dass die HTWK sich diesem Anspruch stellt und wir versuchen da mitzuhalten, selbstverständlich.
Die Zusammenarbeit mit der Biocity klappt gut, das neue Gerät stärkt die Uni Leipzig weiterhin als Biotechnologie-Standort. Mit Technischen Universitäten wie der TU Dresden kann die HTWK Leipzig aber zumindest noch nicht mithalten.