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Faustschlag - Das Vormittagsmagazin Rechtsextremismus im Internet
Geschrieben von tdall am 12.07.07 um 16:58:56


Heutzutage braucht es kein Insiderwissen mehr, sondern nur wenige Tasten-Clicks, um im Internet auf rechtsextremistische Inhalte zu stoßen. Wie Rechte das Internet für sich nutzen und wie man mit diesen Inhalten umgeht, darüber hat sich Anja Rommel informiert.      

Der Beitrag zum Anhören.



Seit der Geburt des Internets haben es Rechtsextremisten zunehmend für ihre Zwecke entdeckt. Das World Wide Web ermöglicht den rechten Gruppierungen ihre Inhalte schnell, kostengünstig und vor allem in ansprechender Form zu präsentieren. Denn die Zeiten in denen rechtsradikale Internetseiten von Hakenkreuzen und Reichsadlern bestückt waren, sind längst vorbei. Auch wenn solche Homepages immer noch vereinzelt existieren: das offizielle Erscheinungsbild vieler rechtsextremistischer Inhalte im Netz hat sich gewandelt. Birgit Jagusch, Referentin des Informations- und Dokumentationszentrums für Antirassismusarbeit in Nordrhein-Westfalen, ist der Ansicht, dass es um einiges schwieriger geworden ist braunes Gedankengut auf Internetseiten eindeutig zu erkennen. 

„Der Trend geht zu den Seiten, die sich harmloser gerieren und ihre Botschaften hübsch allgemein- verträglich verpacken. Und dann natürlich jugendgerecht, also ich glaube ein Bild von Adolf Hitler lockt tatsächlich nur schon politisierte Jugendliche hinterm Ofen vor. Wo hingegen so eine nett- aufgemachte Webseite erstmal die Jugendlichen, oder insgesamt Personen, festhält und dann der Einstieg leichter ist.“

Diese Websites beinhalten jetzt auch eine Vielzahl von Extras, wie MP3-Angebote oder Chats, die sogar auf unpolitische Jugendliche attraktiv wirken könnten. Damit sollen Personen außerhalb des rechten Kreises erreicht und für rechtsextremistische Ideen begeistert werden. Leichten Zugang zu potenziellen Anhängern bieten vor allem reguläre Diskussionsforen, die zunächst keinerlei politische Intentionen verfolgen. Selbst die Internet- Plattform StudiVZ wurde schon mehrmals mit rechtsradikalen Inhalten konfrontiert. Wie das StudiVZ mit solchen Beiträgen oder Nachrichten umgeht, verrät uns der Pressesprecher des Studiverzeichnis, Julian Artopé:

„Wir sagen ganz klar, dass jegliche Art von extremistischen Inhalten und Äußerungen nicht auf der Plattform erwünscht sind. Wir sagen aber auch auf der anderen Seite, StudiVZ ist ein Ort auf dem diskutiert werden kann und auf dem das gesamte politische Spektrum abgebildet wird. Vom linken bis zum rechten Flügel eben. Und solang sich die dortigen Diskussionen eben innerhalb der gesetzlichen Zulassungen bewegen werden wir es auch nicht löschen oder unterbinden. Wir haben durch den Verhaltenskodex noch mal ein stärkeres Kontrollsystem hergestellt, wo wir sagen, selbst Sachen die gesetzlich erlaubt sind, verbieten wir auf der Plattform. Ansonsten sagen wir aber jeder politische Diskurs im StudiVZ sollte gefördert werden.“

Die Kontrolle der Profile und der eingehenden Nachrichten ist wichtig, aber die Grenze zwischen freier Meinungsäußerung und der Verbreitung verfassungswidriger Inhalte ist umstritten und wird oftmals subjektiv behandelt. Julian Artopé ist davon überzeugt, dass es trotz der 2,5 Millionen Nutzer in Deutschland möglich ist, verfassungswidrige Beiträge von der Plattform fernzuhalten.

"Es gibt eigentlich zwei Kontrollsysteme im StudiVZ. Das eine ist natürlich der Support selber, der bestimmte Gruppen beobachtet, der natürlich auch nach bestimmten Filterbegriffen und Ähnlichem sucht. Es gibt da auch technische Filter. Auf der anderen Seite sind es die Nutzer, die über die Meldungsfunktion eben die Möglichkeit haben auch in Profilen, die sie eben als gefährlich oder extremistisch einstufen, den Support direkt darauf hinzuweisen.“

Es gibt kein allgemein-gültiges Rezept, wie man der Macht der Rechtsradikalen im Internet umgehen sollte. Rechte Homepages im Internet zu verbieten oder zu kontrollieren, sehen Experten nicht als die alleinige Lösung an. Laut Birgit Jagusch ist die Bildungsarbeit entscheidend für die Auseinandersetzung mit rechtsradikalen Inhalten im Internet.

"Also gerade im Bezug auf Jugendliche ist es sehr wichtig, dass diese geschult werden im pädagogischen Umgang mit Internet und mit dem Umgang mit rechtsextremen Seiten, dass sie nicht gefangen werden von den Rattenfängern. Insofern glaube ich, dass einfach die Bildungsarbeit, die es zwar auch schon im Bereich neue Medien und Mediennutzung gibt, da verstärkt wird und Jugendliche kompetent gemacht werden im Umgang mit dem Internet."

Das Medium Internet hilft der rechtsextremen Szene ihre Ideen an ein Massenpublikum zu vermitteln. Gleichzeitig bietet es aber auch ausreichend Raum für andere Meinungen. Und diese im Internet zu äußern, ist eine Möglichkeit mit rechten Inhalten umzugehen.





 
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