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Direkt - Aktuelles aus und für Leipzig Leipzig bloggt
Geschrieben von cszom am 01.06.07 um 19:40:50


Ein Mädchen im Teeniealter schreibt, was es den ganzen Tag so macht, eine Alleinstehende ältere Frau veröffentlicht die Fotos ihrer Lieblingskatzen. Im Internet nennt sich das Ganze dann Webblog. Das denken zumindest viele. Webblogs werden oft auf Internettagebücher reduziert. Annika Falk hat sich im Rahmen unserer Themenwoche Leipzig 2.0 in der Leipziger Bloggerszene umgehört und herausgefunden, dass Blogs durchaus auch poetisch, politisch und informativ sein können.

Der Beitrag zum Anhören



Guido Corleone kennt sich aus mit Leipziger Weblogs. Er selbst bloggt seit vier Jahren und liest Woche für Woche 150 Blogs. Darunter gibt es normale, aber auch skurrile:

„Du hast angefangen von jemandem, der abfotografiert, was er gerade gestrickt hat, bis zu jemandem, der beruflich mit IT zu tun hat, der viele Artikel mit Quellcode drin schreibt und einmal die Woche ein Kochrezept drin hat, bis hin zu Leuten, die sich politisch engagieren. Es gibt viele Studenten, die bloggen. Es gibt auch ein Blog, das sich in erster Linie ums Mensaessen dreht in Leipzig."

Guido und seine Mitbloggerin Alexandra Pagel haben vor einigen Monaten heldenstadt.de gegründet. Dort gibt es Veranstaltungstipps für Leipzig, TV-Termine, aber auch die eine oder andere hitzige Diskussion wird aufgegriffen. Dazu haben die beiden Blogger eine ganze Reihe von Leipziger Weblogs verlinkt.

Katinka ist auf heldenstadt.de auch in der „Blogroll“, wie Links unter Bloggern heißen. Die Studentin heißt im realen Leben Kathrin Hut und bloggt seit knapp drei Jahren. Nach einiger Zeit in Schweden eröffnete sie ein Musikblog. 

„Da ging’s halt darum, dass ich schwedische Bands vorstelle. Das ganze hieß Musicismyboyfriend. Da habe ich z.B. Sampler aus freien MP3s gemacht. Das kam soweit, dass mich Labels angeschrieben haben, ob sie mir CDs schicken können. Das war sehr lustig, aber sehr zeitaufwendig.“

Jetzt schreibt Kathrin auf ktinka.de Erfahrungsberichte über Leipziger Cafés oder bloggt Fotos.
Viele Blogger verlinken zum Beispiel ihren Account bei flickr.com. Dort kann man seine eigenen Fotos hochladen.

Bilder vom Uniabriss zeigt Franziska Höhnl. Unter Bloggern ist sie unter dem Pseudonym „lebenslinien“ bekannt. Auf lebenslinien.cab2canada.de geht es poetisch zu.

„Seit ich ein kleines Kind bin, schreibe ich Gedichte. Als Jugendliche habe ich sie in Gedichteforen veröffentlicht. Logischerweise binde ich das auch in meinen Blog ein. Auf die Gedichte kommen Kommentare von Leuten, die selbst Gedichte schreiben. Das Schöne ist, dass sie meist Antwortgedichte schreiben. Es entwickeln sich also Gedichte, die voneinander inspiriert sind.“

Zwischen 30 und 80 Leuten lesen Franzzis Blog täglich. Ihr ist es wichtig, mit Vorurteilen gegenüber Bloggern aufzuräumen.

„Wenn man in der Blogosphäre rumsurft, kommt man schon auf viele, in denen der klischeehafte Teenie aufgestanden ist, von seiner besten Freundin abgeholt wurde und wie Schule war. Es gibt Katzenfotoblogs und Strickblogs. Man hat aber in der Blogosphäre irgendwann seine Lieblinge und dann schon viele gute Blogs, die mit dem eigentlich Tagebuch nichts mehr zu tun haben.“

Am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig findet im Sommersemester das Seminar „Journalismus im Web 2.0“ statt. Der Seminarleiter Florian Steglich bloggt ebenso wie alle Seminarteilnehmer.

„Ich denke, das Bloggen versteht man nur so richtig, wenn man es selbst macht. Ich will weder einen Arbeitsplatz bei bildblog, noch Preise einheimsen. Es macht einfach Spaß, wenn man merkt, wann was gelesen wird, wie viele Leute da waren und wenn sie kommentieren, erst recht.“


Unter www.floriansteglich.de kann man nachlesen, was er schreibt und wer welche Beiträge kommentiert. 





 
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